Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V.

Ausgabe 1  •  April 2019

SozialarbeiterInnen aus jüdischen Gemeinden im Kompetenzzentrum in Berlin

„Gesellschaftliche Umbrüche und Antisemitismus als Herausforderungen der jüdischen Sozialarbeit“ - Seminar in Berlin

Referentinnen Vivien Laumann (li.) und Romina Wiegemann

Referent Daniel Poensgen, RIAS Berlin

Antisemitismus prägt die Erfahrungswelt vieler jüdischer Menschen in Deutschland. Die erhöhte gesellschaftliche Aufmerksamkeit ändert wenig daran, dass die professionelle Bearbeitung von realen Antisemitismuserfahrungen noch immer keine Selbstverständlichkeit darstellt. Die Gründe dafür sind vielfältig. Die Angebote bundesweiter Beratungsstellen innerhalb der jüdischen Gemeinschaften sind eher wenig bekannt. Hinzu kommt häufiger eine gewisse Zurückhaltung der Betroffenen, ihre individuellen Antisemitismuserfahrungen als solche anzuerkennen. Auch die bereits länger bestehenden Beratungsstellen stehen nicht unbedingt im Kontakt mit jüdischen Gemeindestrukturen. Diskriminierungserfahrungen jüdischer Menschen sind in der Wahrnehmung der Zivilgesellschaft daher kaum sichtbar.

Das Kompetenzzentrum für Prävention und Empowerment (ZWST) bietet neben seinen präventiv-pädagogischen Programmen für Fachkräfte aus Schule, Verwaltung, Polizei u.a. verschiedene Formate an, die auf die Stärkung der jüdischen Gemeinschaft in ihrem Umgang mit Antisemitismus und Diskriminierung ausgerichtet sind. Die Beratungs- und Interventionsstelle OFEK im Kompetenzzentrum stellt neben seinen Angeboten der Einzelfallhilfe und Gruppenberatung Weiterbildungsmöglichkeiten für Fachkräfte aus den jüdischen Gemeinden zur Verfügung. Insbesondere die jüdische Sozialarbeit nimmt für die Multiplikation des Wissens über Beratungsangebote eine zentrale Rolle ein.

Vor diesem Hintergrund hat das Kompetenzzentrum in Kooperation mit dem Sozialreferat der ZWST die Teilnehmenden der laufenden Fortbildungsreihe Sozialarbeit eingeladen, um gemeinsam zum Thema "Gesellschaftliche Umbrüche und Antisemitismus als Herausforderungen der jüdischen Sozialarbeit“ zu arbeiten. Von 24. bis 27. März reisten 22 Sozialarbeiter*innen der jüdischen Gemeinden aus dem gesamten Bundesgebiet nach Berlin. Das Seminarprogramm beinhaltete neben dem Kennenlernen der Angebote und Arbeitsweisen der Beratungs- und Interventionsstelle OFEK und RIAS (Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus) auch Trainingseinheiten zum Umgang mit Antisemitismuserfahrungen im Rahmen der Sozialabteilungen. Aufgrund ihrer Profession und etablierter Vertrauensverhältnisse sind die Sozialarbeiter*innen auch für viele Fälle aus diesem Spektrum häufig die erste Anlaufstelle. In den vier Seminartagen konnten Basiskompetenzen für die Erst- und Verweisberatung (z. B. an RIAS, SABRA Düsseldorf und OFEK) gestärkt werden. Insbesondere die praktische Fallarbeit wurde als hilfreich wahrgenommen. Der kollegiale Austausch über vorausgegangene Erfahrungen in diesem Handlungsfeld stellte für die Teilnehmenden ebenfalls eine stärkende Bereicherung dar.

Im Anschluss an das Sozialarbeiterseminar fand am 27. und 28. März das „Zukunftsforum“ für Leiterinnen der Sozialabteilungen großer jüdischer Gemeinden statt. Auch hier stand das Thema „Antisemitismus als Gegenstand der jüdischen Sozialarbeit“ auf der Agenda. In komprimierter Form stellten einerseits OFEK und RIAS ihre Arbeit vor, andererseits wurde der praktische Umgang mit konkreten Fällen im Sinne der Erst- bzw. Verweisberatung gestärkt. Im Fokus des Zukunftsforums standen der fachliche Austausch und die Entwicklung von Kooperationsmöglichkeiten zwischen den Sozialabteilungen und der Beratungsstelle OFEK. Die Teilnehmerinnen des Zukunftsforums wünschten sich eine baldige Fortsetzung der gemeinsamen Arbeit. Diesem Anliegen werden das Sozialreferat der ZWST und das Kompetenzzentrum der ZWST gerne nachkommen.

Romina Wiegemann, Bildungsreferentin

Kontakt:
Eva Okuna, Inklusionsprojekt für Kinder und Jugendliche
T.: 0174 / 68 25 833
E-Mail: okuna @zwst.org

„Platz für alle“‘ - Inklusion als Mittel zur Teilhabe

Seit einigen Jahren organisieren das Jugend- und Sozialreferat der ZWST erfolgreich inklusive Machanot, in denen Kinder und Jugendliche mit einer Behinderung eine unbeschwerte Zeit erleben. Für diese jungen Teilnehmer ist eine 1:1-Betreuung erforderlich, je nach Art und Schwere der Behinderung. Der ZWST ist es ein wichtiges Anliegen, die aktiven Inklusions-Madrichim kontinuierlich fortzubilden und neue Madrichim für diese besondere Aufgabe zu gewinnen.

Vor diesem Hintergrund organisierte die ZWST vom 07. bis 10. März 2019 in Frankfurt/M. einen Fachworkshop zum Thema „Inklusion als Mittel zur Teilhabe“, geleitet von Eva Okuna und Simon Beckmann vom Inklusionsprojekt „Gesher“ für Kinder und Jugendliche. Zum Programm gehörten, neben einer Stadtführung durch Frankfurt/M., Sessions zum Verständnis von Emotionen, zum Umgang mit herausforderndem Verhalten bei Kindern (Dipl. Psychologin Vanessa Wolter), eine Einführung zu psychischen Erkrankungen (Dr. med. Uwe F. Winkler) sowie eine Gesprächsrunde mit einer Teilnehmerin mit einer Behinderung, die offen über ihre Situation sprach.

Den Shabbat verbrachte die Gruppe im Jüdischen Altenzentrum der Gemeinde und in der Westend-Synagoge. Die 17 Teilnehmer aus ganz Deutschland waren entweder bereits als Inklusionsmadrichim auf den Machanot der ZWST im Einsatz oder wollen das Projekt künftig als Inklusionsmadrichim unterstützen. Im Rahmen des Workshops hatten die Jugendlichen die Möglichkeit Erfahrungen auszutauschen, Fragen zu stellen und sich mit dem Thema Behinderung auseinanderzusetzen.

Eva Okuna, ZWST

! Save the Date ! Aktionstag 5. Mai 2019 

Der 5. Mai ist der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. Seit 24 Jahren veranstalten Verbände und Organisationen der Behindertenhilfe und -selbsthilfe in ganz Deutschland hunderte Aktionen und kämpfen für die Gleichstellung von Menschen mit Behinderungen. Die Aktion Mensch bündelt die vielfältigen Initiativen und stellt Aktionsmittelpakete für die Engagierten bereit. Das diesjährige Motto „Mission Inklusion – die Zukunft beginnt mit Dir“ ist ein Aufruf, die inklusive Gestaltung unserer Lebenswelt aktiv in die Hand zu nehmen. Der Aktionszeitraum ist vom 27. April bis zum 12. Mai 2019.Aktionsmittelpakete können kostenlos bestellt werden. Außerdem fördert die Aktion Mensch Aktionen rund um den 5. Mai mit bis zu 5.000 Euro und stellt Materialien für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bereit.

Weitere Informationen

! Aktionstag 5. Mai in Frankfurt/M. !

„#Auftrag Inklusion – Interreligiös.  
 
 Wie gehen unterschiedliche Religionen mit Behinderung um?“ Ein Tag der offenen Tür mit Musik 

Zum Programm gehört unter anderem eine Podiumsdiskussion zum Thema: „Was tun die Religionsgemeinschaften, um die Inklusion behinderter Menschen zu fördern?“ mit Dr. Michael Frase (Leiter des Diakonischen Werkes Frankfurt), Said Barkan (Vorsitzender des Zentralrates der Muslime in Hessen) und Dr. Dinah Kohan (ZWST, Leiterin des ZWST-Inklusionsprojektes Gesher). Moderation: Bärbel Schäfer

Wo:  Ökumenisches Zentrum Christuskirche, Beethovenplatz 11-13, 60325 Frankfurt/Main, 15 Uhr

Veranstalter: Jüdische Volkshochschule, ZWST, Evangelische Kirche in Frankfurt und Offenbach, Zentralrat der Muslime in Hessen

Zu Besuch in „Kfar Tikva“, einem Zuhause für Erwachsene mit Behinderung

Premiere:

Teilnehmer des Inklusionsprojektes Gesher reisen gemeinsam nach Israel

„Tour-Guides“ Judith und Pinchas

Erstmalig hat das Inklusionsprojekt Gesher eine 10-tägige Taglit-Reise nach Israel organisieren können – eine absolute Premiere. Eine Gruppe von 10 Menschen mit einer geistigen oder psychischen Erkrankung, u.a. aus dem Autismus Spektrum, hatte vom 24. März bis 03. April die Gelegenheit, das Land auf eine besondere Art kennenzulernen. Die Teilnehmer im Alter von 18 bis 32 wurden begleitet von 8 Betreuern, darunter Judith Tarazi und Pinchas Kranitz vom Inklusionsprojekt Gesher.

Zum Programm gehörte unter anderem Jerusalem (Klagemauer, Altstadt, Yad Vashem, Herzlberg und vieles mehr) sowie eine Fahrt in den Süden nach Masada und an das Tote Meer. Die Teilnehmer hatten erstmals die Möglichkeit, diese Orte kennenzulernen. Ein Highlight der Reise war ein Besuch in Kfar Tikva bei Haifa, wo nur Menschen mit Behinderung leben. Dieses Treffen beinhaltete neben einem gemeinsamen Essen sportliche und kreative Aktivitäten. Dank einer Privatspende konnte die Gruppe dem Dorf Kfar Tikva ein Gastgeschenk überreichen. Dazu Eran Natan, Coordinator of volunteers in Kfar Tikva: „Wir hatten eine schöne Zeit zusammen - die Gruppen waren offen, kommunikativ und die Atmosphäre war wunderbar. Vielen Dank für die Chance, unseren Mitgliedern trotz der Sprachbarriere ein so besonderes Erlebnis zu bieten - die Art unseres Zusammenseins hat die Verbindung hergestellt!“

Ein weiteres Highlight für die Teilnehmer war ein Besuch im Biblischen Landschaftspark Neot Kedumim bei Tel Aviv, wo sie selber Bäume pflanzen konnten. Den Shabbat verbrachte die Gruppe im Kibbuz Tsuba bei Jerusalem, ein Ruhepunkt inmitten des vielfältigen Reiseprogramms.

Dinah Kohan, Leiterin des Inklusionsprojektes Gesher, betont: „Unsere erste Israelreise in Kooperation mit Taglit Germany und dem Trip Organizer Israel Experience war ein Meilenstein. 
Wir bedanken uns bei Taglit, Israel Experience, unseren Guides, beim privaten Spender und für die tolle Arbeit des Sozialreferates.“

HvB, ZWST

Supervision und Schulung - 

Angebote des Inklusionsprojektes Gesher in Sachsen-Anhalt

Inklusionsprojekt Gesher in Sachsen-Anhalt 

Kontakt:
Inessa Myslitska
T.: 0176/702 77 620,  myslitska@zwst.org

Förderung durch Aktion Mensch

Seit Januar 2019 gibt es eine zusätzliche Möglichkeit, um Bildungsveranstaltungen für Mitarbeiter in jüdischen Gemeinden durch Aktion Mensch zu fördern. Informationen hierzu geben Mitarbeiter des Projektes Gesher, helfen bei der Antragstellung und Weiterleitung an die Aktion Mensch Förderung.

Kontakt:
Marina Chekalina, chekalina@zwst.org

Die Begleitung und Betreuung von Menschen mit Behinderung erfordert ein hohes Maß an Kompetenz und Fachwissen. Die meisten Sozialarbeiter und ehrenamtlich Engagierten sind zugewandert und haben als Quereinsteiger in diesem Bereich angefangen. Daher ist die kontinuierliche Fortbildung von Fachkräften und ehrenamtlichen Betreuern ein zentraler Bestandteil des Inklusionsprojektes Gesher - so auch seit einigen Jahren in den jüdischen Gemeinden in Sachsen-Anhalt, gefördert von der Aktion Mensch e.V.

Gestartet wurde mit Supervisionen für die Mitarbeiter in den jüdischen Gemeinden in Magdeburg und Dessau-Roßlau, um Probleme und Herausforderungen zu benennen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen. Unter Leitung von Aziz Melikov, Supervisor und Rehabilitationspsychologe werden Entlastungsmöglichkeiten diskutiert mit dem Ziel, diese im Alltag in Eigenregie in die Praxis umsetzen zu können. Die Supervision ist mittlerweile ein wichtiger Bestandteil der Teamarbeit und wird von den Mitarbeitern aktiv in Anspruch genommen.

Darüber hinaus werden Vorträge und Schulungen organisiert, zu Krankheitsbildern, Gesprächsführung und Kommunikation mit Menschen mit Beeinträchtigungen sowie zu den Neuerungen in der Sozialgesetzgebung. Die Schulungen vermitteln konkrete Arbeitshilfen für die Durchführung von Treffen und Veranstaltungen und geben Anregungen für die Umsetzung kreativer Ideen.

Nicht zuletzt finden die Mitarbeiter hier einen Rahmen für Austausch und gegenseitige Unterstützung, eine unentbehrliche Basis für die Arbeit im sozialen Bereich.

Inessa Myslitska, ZWST

Abschlußkonzert der Chorleiter mit Teilnehmern des Tanzseminars re.: Larissa Karwin, Tirza Hodes, Lucy Maman

Rokella Verenina, Chorleiterin aus Wuppertal

Arrangements der Chorleiter, hier: Lazar Alpert, Karlsruhe

Israelischer Volkstanz


Gesang und Tanz in Bad Sobernheim

Resultierend aus dem erfolgreichen Festival der Chöre im Mai 2018 hat das Sozialreferat Anfang März eine Fortbildung für ChorleiterInnen organisiert, organisiert von Yevgenia Freifeld. 24 Teilnehmer aus 19 Gemeinden trafen sich im Max-Willner-Heim: überwiegend langjährige LeiterInnen von Erwachsenen- und Kinderchören, außerdem einige Chormitglieder und eine Teilnehmerin, die einen Chor in ihrer Gemeinde gründen will.

Ein großer Gewinn für das Seminar war Rokella („Ella“) Verenina, Chorleiterin aus Wuppertal, Hauptreferentin der Fortbildung. Ihre Professionalität, Erfahrung und Individualität haben dem Seminar eine besondere Note verliehen. Ihre Fähigkeit, auf einzelne Fragen einzugehen und gleichzeitig den Fokus nicht aus dem Auge zu verlieren, überzeugte alle Teilnehmer.Im Mittelpunkt des Seminars stand das gemeinsame Training: Die Teilnehmer bildeten einen Chor und haben intensiv die verschiedenen Facetten, die einen erfolgreichen Chor ausmachen, in die Praxis umgesetzt. Einer der Höhepunkte war die Vorstellung eigener Arrangements. Ella Verenina hat sowohl die gelungenen, kreativen Elemente hervorgehoben als auch einfühlsam und zielgerichtet ihre Empfehlungen ausgesprochen.Anna Vishnevska, ausgebildete Sängerin und Gesangspädagogin aus Hamburg, vermittelte in einem Workshop Atem- und Einsingübungen und motivierte die Gruppe zur aktiven Mitarbeit. Zum Programm gehörte weiterhin die Arbeit mit Liedtexten. Die Seminarleiterin hatte Materialien zusammengestellt und gab Tipps und Empfehlungen für den runden Klang eines Chors. Die Teilnehmer erhielten neue Einblicke in Stimmung und Art der Lieder, auch wurden Besonderheiten der hebräischen Aussprache in den Fokus genommen.

Parallel fand das von Larissa Karwin organisierte Tanzseminar für fortgeschrittene Teilnehmer statt, mit den charismatischen Tanzlehrerinnen Tirza Hodes und Lucy Maman aus Israel. Diese Fortbildung basiert auf der Tradition des jüdisch-israelischen Volkstanzes und diente unter anderem der Vorbereitung für das große Tanzfestival im Juni 2019 in Frankfurt.

Hier ergab sich ein teilweises Zusammentreffen von selbst: Allgemeine Begeisterung fand bei beiden Gruppen das gemeinsame Singen traditioneller Shabbatlieder mit Beni Pollak (langjähriger ZWST-Rosh und Religionslehrer) und Elik Roitstein (Musikpädagoge, Familienreferent IRG Baden). Darüber hinaus vermittelte Beni Pollak mit seinem Vortrag über Gesang und Tanz im Judentum neue Einblicke und Perspektiven. Die Abschlussfeier am letzten Seminarabend erhielt eine besondere Note durch Auftritte von Sängern und Tänzern. Die vom Teilnehmerchor gesungenen, bekannten Lieder erhielten eine neue Farbe und Tiefe und beide Gruppen waren sich einig: Es war ein inspirierendes Bei- und Miteinander und hat eine Fortsetzung verdient.

Yevgenia Freifeld, ZWST,
Fotos: Larissa Janzewitsch, Yevgenia Freifeld

! Save the Date ! Tanzfestival in Frankfurt 

Tanzgruppen der jüdischen Gemeinden in Deutschland führen israelische Folkloretänze auf, lernen andere Gruppen kennen, lassen sich inspirieren und tanzen gemeinsam.
Datum:  So., 23.06.2019, 11.00 - 16.30 Uhr
Kontakt:  Jutta Josepovici, josepovici@zwst.org