Der Dialog wirdaufgezeichnet

„Zeitzeugentheater“ -
Ein intergeneratives Projekt von Jugendlichen und Überlebenden der Shoah

Das generationsübergreifende Projekt „Zeitzeugentheater“ wurde vom American Jewish Joint Distribution Committee (JDC) in Israel ins Leben gerufen. Das Projekt wird seit vielen Jahren von der Organisation „Eshel“ gefördert, beim JDC zuständig für innovative Programme für ältere Menschen. Das „Witness-Theater“ bringt Überlebende und Jugendliche zusammen, um die Geschichten der Überlebenden zu erzählen und mit der Öffentlichkeit zu teilen.

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Schülerinnen im Gespräch mit Zeitzeugen im Frankfurter Treffpunkt

Initiierung des Zeitzeugentheaters in Frankfurt 
Seit kurzem hat es sich auch im europäischen Raum etabliert. Jutta Josepovici, bis September 2019 Leiterin des ZWST-Sozialreferates, hat dieses Projekt für die ZWST nun auch in Frankfurt initiiert. Sie konnte im vergangenen Jahr in einem Gymnasium bei Tel Aviv einer Aufführung beiwohnen, die die bekannten Schauspieler Irith und Ezra Dagan (u.a. Darsteller in Film „Schindlers Liste“) inszeniert haben. Dazu Jutta Josepovici: „Vor dem Hintergrund der Überalterung in den jüdischen Gemeinden werden intergenerative Aktivitäten immer bedeutsamer. Mir ist es ein wichtiges Anliegen, junge Menschen stärker für ein soziales Engagement zu begeistern, welches gleichzeitig ältere Menschen aus ihrer Isolation holen kann. In Israel hat mich besonders beeindruckt, mit welcher Sensibilität und Ernsthaftigkeit die Schüler die Szenen nachgespielt haben und wie liebevoll sie mit den Zeitzeugen umgegangen sind. Was sie in diesem Projekt lernen, kann ihnen kein Geschichtsbuch vermitteln.“

Vorbereitungsseminar bei der ZWST 
Mit Unterstützung des JDC Europe hat die ZWST im Januar 2019 ein 3-tägiges Seminar organisiert, um interessierten Teilnehmenden aus jüdischen Gemeinden das Projekt vorzustellen. Die ZWST konnte im Rahmen dieses Seminars die Referentinnen Maggi Gad, Sozialarbeiterin aus Israel und Svetlana Fourer, Theaterdramaturgin aus Köln begrüßen. Maggi Gad, bei Eshel zuständig für Projektentwicklung ist eine wichtige Stimme des Zeitzeugentheaters in Israel. Sie war maßgeblich an der Entwicklung von Programmen beteiligt, die sich auf die Bedürfnisse von Shoah-Überlebenden konzentrieren. Neben umfangreichem Infomaterial und Einführungsfilmen, zählte das Erlernen dramaturgischer Mittel zum Programm. Durch Rollenspiele konnten sich die Teilnehmenden in die Positionen der Agierenden versetzen, um so die unmittelbare Wirkung des Zeitzeugentheaters pädagogisch nachzuvollziehen. So entstand eine Wechselwirkung zwischen Theorie und Praxis. 

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Maggi Gad (li.), JDC Israel, mit Jutta Josepovici, Leiterin des ZWST-Sozialreferates

Kooperation mit der Lichtigfeld-Schule in Frankfurt: Seit Frühjahr 2019 organisiert die ZWST das Projekt in Kooperation mit der Lichtigfeld-Schule der jüdischen Gemeinde Frankfurt. In einem wöchentlichen Turnus trifft sich eine Gruppe von Jugendlichen ab 14 Jahren mit Zeitzeugen im Frankfurter Treffpunkt, einer Einrichtung der ZWST für Überlebende der Shoah. Die Treffen ermöglichen einen intensiven Austausch zwischen den Teilnehmenden. Der Prozess dieses Dialogs wird durch ein Kamerateam begleitet. Neben der filmischen Erfassung wird eine Dramaturgin ein Theaterstück erarbeiten, welches die Jugendlichen am Ende des Austauschs aufführen und einem öffentlichen Publikum zur Verfügung stellen werden. Das Projekt wird von Theaterpädagoginnen, Sozialarbeiterinnen und einem Psychoanalytiker pädagogisch und psychologisch begleitet. Es ermöglicht durch die intergenerative Wieder- und Weitergabe, durch die szenische Darstellung und die filmische Erfassung ein fundamentales Zeitzeugen-Dokument. Perspektivisch soll das Pilotprojekt weiteren Gemeinden angeboten werden.

Ricarda Theiss, ZWST

Was sagen die Protagonisten des Zeitzeugen-Theaters ?

Schüler

„Ich möchte einen reflektierten Umgang mit den Geschehnissen erlangen, dazu gehört, mehr über die Zeitzeugen zu erfahren.“

„Wir werden die Zeugen der Zeitzeugen sein.“

„Wir tragen die Erinnerungen weiter, so dass sie nicht vergessen werden.“

Zeitzeugen

„Ich möchte, dass meine Zeit im Ghetto nicht vergessen wird.“

„Ich möchte, dass unsere Kinder und Enkelkinder diese Erinnerungen weitergeben können.“

„Das Erlebte als Theater zu spielen, beeindruckt mich, da es eine andere Art der Wiedergabe ermöglicht, die ich, wenn ich als Zeitzeugin in Schulklassen geladen werde, nicht so intensiv gestalten kann.“

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Herzlich willkommen, Ricarda Theiss !

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Neue Kollegin im Sozialreferat: Ricarda Theiss

Die ZWST freut sich über eine neue Mitarbeiterin im Sozialreferat: Ricarda Theiss. An der Frankfurt University of Applied Sciences hat sie Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt Gesundheit und inklusive Konzepte studiert (B.A.). Darauf aufbauend hat sie ihren Master als Sozialwissenschaftlerin absolviert, mit dem Fokus Diversität und Inklusion. Hier hat sie sich besonders auf antirassistische und antisemitische Konzepte im Bildungskontext konzentriert. Dies war auch der Schwerpunkt ihrer weiteren Tätigkeiten: Im Museum Judengasse in Frankfurt organisiert sie Workshops für Kinder und Projektwochen für Schulklassen zu den Themen Judentum, Antisemitismus- und Rassismusprävention. Weiterhin hat Ricarda Fortbildungen für Lehrkräfte und Studierende durchgeführt, im Museum Judengasse sowie extern an diversen Schulen und Hochschulen. Von Mai 2018 bis Januar 2019 war sie wissenschaftliche Mitarbeiterin des Forschungsteams zur aktuellen Studie ´Mach mal keine Judenaktion!` zu Herausforderungen und professionellen Lösungsansätzen für die Bildungs- und Sozialarbeit an der Frankfurt University of Applied Sciences. Dazu gehörten Vorträge und Moderationen an vielfältigen Orten bzw. Institutionen.

Liebe Ricarda, was ist der Hintergrund für deine Bewerbung bei der ZWST? „Als Teilnehmerin an einem Vorbereitungsseminar für das neue Projekt ´Zeitzeugentheater` bei der ZWST im Januar, wurde die Leiterin des ZWST-Sozialreferates, Jutta Josepovici auf mich aufmerksam und fragte mich, ob ich Interesse an einer Tätigkeit bei der ZWST hätte. Ich war sofort begeistert! Mich beeindruckt vor allem das vielfältige Angebot der ZWST. Ich freue mich darauf, mich hier aktiv beteiligen zu können.“

Was werden deine Arbeitsschwerpunkte im Sozialreferat sein? „Ein Schwerpunkt wird das generationsübergreifende Projekt ´Zeitzeugentheater` sein. Ich bin hier für die Organisation, die intergenerative Kommunikation und das pädagogische Feedback zuständig und fungiere als Ansprechpartnerin für die Schüler*innen. Weiterhin werde ich in die Planung, Organisation und Ablauf der internationalen Shoah-Konferenz im Dezember involviert sein. Perspektivisch werde ich daran beteiligt sein, Demenzkonzepte weiter auszudifferenzieren und hier Zuarbeit leisten. Als Referentin werde ich unter anderem Seminare mit Bezug zur o.g. Studie im Max-Willner-Heim zum adäquaten Umgang mit Diskriminierung anbieten. Im Zentrum soll die Frage stehen: Wie können Empowermentstrategien die eigene Identität stärken, welche Konzepte und Handlungsoptionen gibt es? Mein Angebot ist in diesem Zusammenhang eine Ergänzung zur Arbeit des Teams im Berliner Kompetenzzentrum für Prävention und Empowerment sowie der Beratungsstelle OFEK.“

Was liegt dir persönlich besonders am Herzen im Rahmen deiner neuen Tätigkeit? „Mir ist es ein Anliegen, für Menschen mit Exklusionsrisiko und Diskriminierungserfahrungen, die Rahmenbedingungen für eine inklusive Teilhabe zu verbessern und zu stärken. Das bedeutet: Ein Dabeisein von Anfang an, die Schaffung von Räumen, in denen sich ein Jeder, eine Jede akzeptiert und geschützt fühlen kann. Die meisten meiner Arbeitsbereiche werden sich im Laufe der Zeit noch ausdifferenzieren. Ich freue mich, gemeinsam mit dem Team des Sozialreferats, meine Expertise und Kompetenzen einbringen zu können!“

Vielen Dank! HvB, ZWST

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7. Internationale Fachtagung der ZWST zur Arbeit mit Shoah-Überlebenden

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Die Tagung wird zum Thema: „Zur Bedeutung von Erinnerungsmustern und Narrativen für Alltag und Lebenswelt von Überlebenden der Shoah und ihre Folgegenerationen“ durchgeführt. Sie will das komplexe Verhältnis von historischen Fakten und tradierten Narrativen, die Problematik von kollektivem und individuellem Gedächtnis und die Pluralität von Vergangenheits- und Identitätskonstruktionen thematisieren.

Die Konferenz wird sich mit den aktuellen Auswirkungen individueller und gesellschaftlicher Erinnerungsmuster auf die Lebenssituation von Überlebenden der Shoah und ihrer Nachkommen befassen. Eingeladen sind Betroffene, Fachkräfte aller Disziplinen, die mit Überlebenden arbeiten sowie MultiplikatorInnen. Das Programm wird simultan in Deutsch, Englisch und Russisch übersetzt.

Kontakt:
conference2019@zwst.org

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Den Menschen ein Gesicht geben - Fotoaktion der Jewish Claims Conference

In Kooperation mit verschiedenen jüdischen Gemeinden hat die ZWST „Treffpunkte“ initiiert und unterstützt deren Aktivitäten. Hier treffen sich Menschen, die den Holocaust überlebt haben und aufgrund von psychischen und/oder gesundheitlichen Problemen oft unter Einsamkeit leiden. Die Treffpunkte bieten ihren Besuchern ein ´warmes Zuhause` mit psychosozialer Betreuung und Begleitung, vielfältigen kulturellen und gesundheitsfördernden Aktivitäten sowie Festen anlässlich jüdischer Feiertage. - Um diesen Menschen ein Gesicht zu geben, zeigen wir im Folgenden einige Momentaufnahmen, die uns freundlicherweise von der Jewish Claims Conference zur Verfügung gestellt wurden. Sie sind im Rahmen einer Foto-Aktion in den jüdischen Gemeinden Cottbus, Berlin und Wiesbaden entstanden. Unser Dank geht an die Claims Conference und den Fotografen Marco Limberg und an die Menschen, die die Kamera so nah an sich herangelassen haben.

HvB, ZWST

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Eheleute Margarita, geb.1938 in Moskau, und Leonid, geb. 1935 in Orynyn-Khmelnytskyi (Ukraine), leben heute in Berlin

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Veniamin, geb.1937 in Sosnitsa (Ukraine) im Gespräch mit Bella (2.v.re.), geb. 1930 in Perwomajsk (Ukraine), leben heute in Berlin

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Doroteya (li.), geb. 1936 in Odessa, und Ira, geb. 1930 in Odessa, leben heute in BerlinSchawuot-Feier des Berliner Treffpunktes im israelischen Cafe Shiloh

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Yevgeniya, geb. 1940 in der Ukraine, lebt heute in Cottbus, mit ZWST-Sozialarbeiterin Valerie Vorkul

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Genriyeta, geb. 1940 in der Ukraine, lebt heute in Cottbus

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Hana, geb. 1937 in der Ukraine,lebt heute in Cottbus

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Eheleute Yulia, geb. 1933 und Georgy, geb. 1937 (beide geb. im ehemaligen Leningrad)leben heute in Wiesbaden

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Elisaveta, geb. 1941 in Mogilov-Podolski (Ukraine), lebt heute in Wiesbaden, mit ihrer Pflegerin Jana

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Judith, geb. 1929 in Lugoj, Rumänien (li.) und Elise, geb. 1929 in Paris, leben beide in Wiesbaden. Judith ist Fitnesscoacherin im Treffpunkt Wiesbaden

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