Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V.

Ausgabe 1  •  April 2019


Junge jüdische Erwachsene diskutieren über eine Welt im Umbruch

Jugendkongress in Berlin vom 14. bis 17. März

Ebi Lehrer, Präsident der ZWST

Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrates

Dorothee Bär, MdB, Staatsministerin für Digitalisierung

Jeremy Issacharoff, Botschafter des Staates Israel

Eröffnungsabend

Israel vor den Wahlen. Im Gespräch mit Amos Harel (re.) und Amit Segal, moderiert von Melody Sucharewicz

Segway-Tour in Berlin

Party

Vorstandswahlen der JSUD

Die ZWST gratuliert dem neuen Vorstand der JSUD: Lars Umanski, Avital Greenberg, Misha Ushakov (Präsident), Ruben Gerczikow, Anna Staroselski

Aron Schuster (re.), Direktor der ZWST mit Eyal Lewinsky vom Zentralrat

JuKo-Team und ZWST-Vorstand freuen sich über einen erfolgreichen Jugendkongress. Vielen Dank an alle Helfer und Unterstützer!


Mit 360 Teilnehmern von 18 bis 35 ist der diesjährige Jugendkongress in Berlin, organisiert von ZWST und Zentralrat, erfolgreich zu Ende gegangen – seit Jahrzehnten ein Highlight im Kalender für junge jüdische Erwachsene, die Faszination ist ungebrochen.

International renommierte Speaker aus Presse, Politik und Gesellschaft beleuchteten das Thema „Die Welt im Umbruch“ aus unterschiedlichen Perspektiven und standen dem Publikum als Gesprächspartner zur Verfügung. Dieses Motto bildete den Rahmen, um sich mit dem wachsenden Rechtspopulismus, den Herausforderungen der Digitalisierung und der Bedeutung der Wahlen zum europäischen Parlament auseinanderzusetzen.

ZWST-Präsident Ebi Lehrer, Zentralratspräsident Dr. Josef Schuster und der Botschafter des Staates Israel, Jeremy Issacharoff, begrüßten die Teilnehmer. Dr. Schuster zeigte sich in seinem Grußwort optimistisch: Er habe keine Bedenken, dass die junge jüdische Gemeinschaft in der Lage sei, Umbrüche nicht nur auszuhalten, sondern selbst zu gestalten. Dorothee Bär, Staatsministerin für Digitalisierung befand sich mit ihrer Key-Note sprachlich und inhaltlich auf Augenhöhe mit dem Publikum und fesselte die jungen Teilnehmer mit ihren Ausführungen.

Am 2. Kongresstag gab es die Möglichkeit, Berlin auf unterschiedlichen Wegen zu erkunden: Dazu gehörte eine Segway-Tour, Besuche des Bundestages, der israelischen und amerikanischen Botschaft, des Jüdischen Museums oder auch ein Spaziergang durch das alternative Berlin.

Die Welt im Wandel: Am Nachmittag diskutierte BILD‐Chefredakteur Julian Reichelt mit seiner Kollegin Ilanit Spinner vom Bayerischen Rundfunk über die Rolle der Medien in Zeiten von Social Media und „Fake News“. Wenige Wochen vor der Wahl in Israel beleuchteten mit Amos Harel (Haaretz) und Amit Segal (Channel 2 News) zwei prominente Journalisten die innenpolitische Kontroverse.

Nach dem Shabbat-Dinner fesselte Avraham Infeld (Autor, ehem. Präsident Hillel International) mit seinem weltoffenen Blick auf das Judentum im 21. Jahrhundert. Auch sein Shiur am Samstagvormittag kam gut an: „Ich bin nicht nur begeistert aufgrund des Inhalts, sondern auch, weil der Shiur eine Plattform geboten hat, mit anderen Juko-Teilnehmern ins Gespräch zu kommen. Genau das ist es, was den Juko für mich so besonders gemacht hat.“ (Jean David Sigaux, Frankfurt)

Am 3. Kongresstag gab es ein vielfältiges Workshop-Angebot zu Antisemitismus und möglichen Gegenstrategien, USA und Israel in der Ära Trump und andere. Besonders starkes Interesse fand der Workshop mit dem Autor Tobias Ginsburg: „Die Reise ins Reich: Reichsbürger und extreme Verschwörungstheorien“.
Die israelische A-capella-Band Key Soul begleitete das Kerzenzünden zu Shabbat wie auch die Hawdala am Samstag mit einer bewegenden Zeremonie, bevor sich mit der großen JuKo-Party mit der Showband „Live Events“ die Teilnehmerzahl vervielfachte.

Einen spannenden Abschluss bot am letzten Kongresstag die Podiumsdiskussion „Europa – quo vadis?“ Moderiert von Benny Fischer (ZWST), stellten sich Alina Bricman (Präsidentin der European Union of Jewish Students), Prof. Dr. Dietmar Köster (MdEP, SPD), Mag. Lukas Mandl (MdEP, EVP), Benjamin Nägele (B´nai B´rith International) und Terry Reintke (MdEP, The Greens) der Diskussion.

Das Fazit von Aron Schuster, Direktor der ZWST: „Der Jugendkongress ist nicht nur durch die spannenden Gesprächspartner besonders, sondern bietet eine perfekte Plattform für Vernetzung und Austausch. Auch war es uns ein wichtiges Anliegen, die jungen Erwachsenen sprechen zu lassen, damit sich die Perspektive der Zielgruppe in den Diskussionen widerspiegelt. Vor diesem Hintergrund bieten wir auch verstärkt der Jüdischen Studierenden Union (JSUD) ein Forum, im Bereich der Studierendenbewegung ist viel Dynamik zu beobachten. Unser Ziel ist es, vermehrt Botschafter aus- und fortzubilden, die in ihren Gemeinden initiativ werden. Hierzu hat der Jugendkongress 2019 einen starken Beitrag geleistet.“

HvB, ZWST


Neues Forum für Verantwortliche der Jugendarbeit

„Gute Jugendarbeit braucht hinreichende Ressourcen, professionelle Kräfte und das ständige Vertrauen der Vorstände.“

Mit dem Jugendforum 2025 verfolgt das Referat für Kinder, Jugend und Familien das Vorhaben, Vorstandsmitglieder aus den Gemeinden dabei zu unterstützen, zukunftsorientierte Strategien für ihre Jugendarbeit zu entwickeln. Anfang Februar kamen auf Einladung der ZWST mehrere Gemeindevorstände zusammen, um sich mit den Herausforderungen und Möglichkeiten der jüdischen Jugendarbeit in jüdischen Gemeinden in Deutschland auseinanderzusetzen. Im Fokus stand u.a. die Frage, in welcher Form die ZWST sie in Zukunft unterstützen kann, sowohl durch ihre eigene Expertise, als auch durch die Schaffung eines Netzwerkes. Nachumi Rosenblatt, Leiter des ZWST-Jugendreferates stellte zunächst die vielfältige Arbeit der ZWST in diesem Bereich vor.
Anschließend wurde ein Austausch zwischen Funktionsträgern und Jugendleiter*innen angeregt. Im Austausch wurde z.B. die Herausforderung diskutiert, dass die Jugendzentren mit anderen Freizeitangeboten konkurrieren.

Best-Practice-Beispiele   
Hierzu stellten Susanne Benizri und Zvi Bebera ihre Best Practice-Beispiele im Bereich der regionalen Jugendarbeit vor.

Susanne Benizri ist Erziehungsreferentin der IRG Baden und betreut die gesamte Jugendarbeit der Region. Unter dem Schirm von „JuJuBa“ (Jüdische Jugend Baden) befinden sich zehn, hauptsächlich kleine Gemeinden auf einer Fläche von fast 300 Kilometern. Susanne Benizri stellte die Herausforderungen und Möglichkeiten vor, die die Arbeit im Landesverband bietet und welche Weichen gestellt werden müssen, um auch über die Distanz hinweg erfolgreiche und nachhaltige Jugendarbeit zu etablieren und eine überregionale jüdische Infrastuktur zu schaffen.

Ein anderes Best Practice-Modell stellte Zvi Bebera, Leiter des Jugendzentrums Amichai Frankfurt, gemeinsam mit dem Jugenddezernenten der jüdischen Gemeinde Frankfurt, Marc Grünbaum vor. Die jüdische Gemeinde Frankfurt zählt mit rund 6500 Mitgliedern zu den größten Gemeinden in Deutschland. Die Größe und Kapazität sagen jedoch nicht automatisch etwas über den Erfolg der Jugendarbeit aus. So betonten beide, dass es ein umfangreiches und die verschiedenen Strukturen der Gemeinden mit einbeziehendes Konzept braucht, um erfolgreiche Jugendarbeit in einer großen Gemeinde umzusetzen. Dabei gibt es kein einheitliches Rezept, das auf jede Gemeinde anwendbar ist. Vor allem sei es aber wichtig, dass die Entscheidungsträger in den Gemeinden verstünden, dass gute Jugendarbeit auch hinreichende Ressourcen, professionelle Kräfte und das ständige Vertrauen der Vorstände benötigt.

Die ZWST freut sich auf den weiterführenden Austausch und die enge Zusammenarbeit mit den Gemeinden bei dem Vorhaben, die jüdische Jugendarbeit in Deutschland weiter zu stärken und auszubauen. Die Interaktion zwischen der regionalen Infrastruktur und den bundesweiten Angeboten der ZWST bieten hierfür eine wichtige Grundlage. Formate wie das Jugendforum 2025 sollen dies noch weiter verbessern.

Laura Cazés, Referentin für Verbandsentwicklung


Manhigut Future-Forum - Start der 2. Staffel

Das Manhigut Future Forum ist eine neue Seminarreihe, die als Fortsetzung der Ausbildung der ZWSTJugend konzipiert wurde und im Jahr 2018 mit 2 Seminaren gestartet ist. Manhigut (hebräisch) bedeutet Führung/Leadership. Die Seminare für die Anfänge in der Jugendarbeit haben sich für die Ausbildung der Madrichim bewährt. Bislang fehlte eine verstetigte Ausbildung für die nächste Ebene informellen Engagements.

Oftmals reicht es nicht, auf die Erfahrungen als Madrich*a zurückzugreifen. Um in einer Leitungsposition professionelle Jugendarbeit machen zu können, werden Fähigkeiten benötigt, die vor allem in den vergangenen Jahren eine fortbildende Maßnahme immer wichtiger gemacht haben.

Ziel der dreiteiligen Seminarreihe ist es, die informelle Jugendarbeit der ZWSTJugend (vorwiegend auf den Machanot) zu verbessern, sowie das Führungspersonal auf lokaler Ebene zu schulen und zu vernetzen. Sie baut zum einen auf den Inhalten der Ausbildung für Madrichim auf und reflektiert kritisch und konstruktiv das aktuelle Engagement der Teilnehmenden (sei es auf den Machanot oder lokal). Des Weiteren soll die Führungskompetenz der Teilnehmenden gestärkt werden. Das Programm soll die jüdische Jugendarbeit in Deutschland weiter professionalisieren, sie nachhaltiger gestalten und ihre Vernetzung vorantreiben.

Erstmals konnte die ZWST dank der Unterstützung der Rothschild Hanadiv Europe Foundation eine Kooperation mit dem Institute for Experiential Jewish Education eingehen. Dieses ist auf die Erstellung fundierter, kreativer und innovativer Materialien für die jüdische Jugendarbeit spezialisiert. In Bad Sobernheim fand von 1.-3. März der erste Teil der diesjährigen Seminarreihe statt.

Laura Cazés, Referentin für Verbandsentwicklung, Leiterin der Fortbildung

! Save the Date !   

Manhigut Future Forum  
Teil II: 17.05. - 19.05. 2019
Teil III: 01.11. - 03.11. 2019

Kontakt: Laura Cazés
T.: 069 / 944371-33
 cazes@zwst.org


Erfolgreiche internationale Kooperation: 

BBYO goes Frankfurt - ZWST goes Denver

Die im Februar 2018 gestartete Kooperation von ZWST und BBYO ist auf dem Vormarsch. BBYO ist die leitende Organisation für jüdische Jugendliche in den USA mit weltweiten Partnerschaften. Nachdem die beiden BBYO Teens Presidents Noga und Mason das ZWST-Wintermachane in Natz besucht haben, gab es gleich zwei Begegnungen im Februar 2019.

BBYO goes Frankfurt and Jewrovision  Zur Jewrovision in Frankfurt hat die ZWST eine Delegation der BBYO Teens empfangen. Die Jugendlichen aus den USA landeten Ende Januar in Frankfurt und wurden von Ilya Cinciper vom ehrenamtlichen Team des Jugendreferates während ihres Aufenthaltes betreut. Neben dem Besuch des großen jüdischen Gesangwettbewerbes in der Festhalle Frankfurt war das Programm war vollgepackt: Die junge Delegation besuchte das jüdische Museum, die europäische Zentralbank (EZB) und die Gedenkstätte, die auf dem Gelände der EZB an die Deportation der Frankfurter Juden erinnert. Sie nahmen am Minimachane der Jewrovision teil und hatten die Möglichkeit zu einem Austausch mit dem langjährigen ZWST-Rosh und Religionslehrer Beni Pollak. Er vermittelte der Gruppe einen historischen Überblick über das europäische Judentum und informierte über die aktuelle Situation in den jüdischen Gemeinden in Deutschland. Am 05. Februar 2019 ging es zurück, um in Denver die ZWST-Delegation auf der „BBYO International Convention“ zu begrüßen.

ZWST goes BBYO International Convention in Denver Die ZWST-Delegation mit ihrer Madricha Bella startete am 7. Februar ihre Reise nach Denver. Während der „Ambassadors Week“ mit Workshops und Besichtigungen bis zum 14. Februar, waren die Teilnehmer bei Gastfamilien untergebracht: „Ich hätte nicht erwartet, dass das Leben in einer Gastfamilie in einer so kurzen Zeit so familiär werden kann. Ich werde sie vermissen.“
(Teilnehmerin, 15 Jahre)

Im Rahmen der jährlich stattfindenden „International Convention“ der BBYO in Denver, eines internationalen jüdischen Jugendkongresses vom 14. bis 18. Februar, lernten die jungen Teilnehmer vielfältige Projekte der Jugendarbeit kennen und trafen auf rund 5000 Teens von 12-18 Jahren aus der ganzen Welt. „BBYO hat mir gezeigt, wie verschiedene Kulturen ihr Judentum ausleben. Obwohl wir alle aus verschiedenen Ländern kommen und uns vorher kaum kannten, hat uns das Judentum zusammen gebracht und verbunden.“
(Teilnehmerin, 15 Jahre)

Ski-Week 2019: Makkabi Deutschland e.V. und ZWST-18+ in Südtirol


ZWST-Winter in Bad Sobernheim und Natz/Italien

Ski-Week 2019

Wintermachanot in Natz/Südtirol

Wintermachanot in Natz/Südtirol

Wintermachanot in Bad Sobernheim

Wintermachanot in Bad Sobernheim

Machane „Schewa“ = 7

Machane „Schewa“ = 7

Im Winter 2018/19 waren über 300 Teilnehmer mit der ZWST unterwegs:
Natz: 110 Chanichim
Bad Sobernheim: 62 Chanichim Familienseminar in Raas:
103 Personen
Makkabi Skiweek: 50 Personen

Die Wintermachanot 2018/19 wurden unter dem Motto „Schewa“ organisiert: Die Zahl „7“ wiederholt sich im Judentum in vielerlei Hinsicht. Diese Symbolik war Thema in den Programmen und Peuloth in Natz (für 14-18jährige) und Bad Sobernheim (für 10-13jährige).

Auf die Wintermachanot folgte vom 03. bis 10. Januar die erste „Makkabi Skiweek“ gemeinsam mit der ZWST. Erstmalig organisierte Makkabi Deutschland e.V. in Kooperation mit dem 18+-Programm der ZWST eine Woche in Südtirol für 50 junge Erwachsene ab 18 Jahren. Ein Ziel dieser von Ilya Daboosh, Alfi Goldenberg und Ariel Leibovic geleiteten Winterferienwoche in Natz war die Stärkung der Vernetzung und die Gewinnung von ehrenamtlichen Professionals (Sportler, Mediziner u.a.) für den jüdischen Sportbund. Eine Vielfalt an Abendprogrammen, ein unvergesslicher Shabbat, jede Menge Ski-Abfahrten und nicht zuletzt: die erfolgreiche Motivation von Freiwilligen, machten diese Woche im Schnee zu einem vollen Erfolg!

HvB, ZWST

Buntes Mini-Machane im Max-Willner-Heim

Große Purim-Party in Bad Sobernheim

Kinder und Jugendliche aus Jugendzentren in ganz Deutschland feierten im Max-Willner-Heim

Simulation einer jüdischen Hochzeit

Vom 22. bis 24. März haben sich mehrere Jugendzentren aus Frankfurt, Düsseldorf, Köln, Dortmund, Berlin, Osnabrück, Mannheim und Baden Baden zusammengeschlossen, um das größte Mini Machane aller Zeiten in Bad Sobernheim zu organisieren. Rund 150 Chanichim und 30 Madrichim verbrachten ein ereignisreiches Wochenende. Bereits am Freitagabend wurde den Chanichim nach einem festlichen Shabbat die Bedeutung des Purim-Festes aus verschiedenen Perspektiven näher gebracht.

Der gemeinsame Kiddusch am Samstagmorgen fand unter freiem Himmel statt und verstärkte die Vorfreude auf das bevorstehende Programm. Die tolle Stimmung hielt auch beim Shabbesspaziergang an, es wurde viel gelacht, gespielt und der Tag hätte nicht schöner starten können.Nach dem Spaziergang wurden die Chanichim in altersgerechte Gruppen aufgeteilt, auch hier stand Purim als zentrales Peulah-Thema im Vordergrund. Im darauffolgenden Shabbat-Projekt wurden unterschiedliche Stationen aufgebaut, und die Kinder und Jugendlichen lernten verschiedene Facetten von Shabbat kennen.

Die Havdala mit 180 Leuten bescherte jedem eine Gänsehaut und ein besonderes Gemeinschaftsgefühl. Im Rahmen des Purim-Abendprogramms hatten die Chanichim die Gelegenheit, sich zu verkleiden und ihre verrückten, mitgebrachten Kostüme zu präsentieren.

Für viele Teilnehmer war die anschließende Party bereits das absolute Highlight des Mini-Machanes. Zu bekannten englischen, hebräischen und deutschen Songs wurde gesungen, getanzt und der Saal hat gebebt. Doch das war noch nicht das Ende: Die Madrichim überraschten die Jugendlichen mit einer Nachtwanderung durch den Wald.

Am letzten Tag gab es eine simulierte jüdische Hochzeit. Alle Teilnehmer bereiteten in Kleingruppen die Zeremonie vor: bestehend aus Chuppa, unterschiedlichen Shows, Theaterstücken und Tänzen. In festlicher Stimmung mit Trauzeugen, Rabbiner und sogar DJ sorgte die jüdische Hochzeit für bleibende Eindrücke. Der gemeinsame, letzte Lunch bedeutete auch Abschied. Alle Jugendzentren freuen sich bereits auf ein baldiges Wiedersehen beim JQ-Jewish Quizduel im Jugendzentrum Frankfurt.

An dieser Stelle bedankt sich die ZWST bei allen Madrichim der teilnehmenden Jugendzentren.Es bedarf viel Motivation und Power, ein vielfältiges Programm für ein Wochenende zusammenzustellen und durchzuführen. Das hohe Interesse hat gezeigt, dass diese Mini-Machanot zukünftig öfters stattfinden sollten.

Text und Fotos: Zvi Bebera, Leiter des Jugendzentrums Amichai, Frankfurt/M.

Besichtigung einer Kita in Tel Aviv

„Mut, Engagement und Leichtigkeit“

Studienreise für ErzieherInnen nach Israel

Führung in Yad Vashem in Jerusalem

An der Klagemauer in Jerusalem

Tirza Hodes mit Nachumi Rosenblatt und Nicole Schulman, Leiterin KiTa Bereschit

Vom 13. bis 20. Januar 2019 hat die ZWST eine Studienreise nach Israel für 24 ErzieherInnen aus jüdischen Gemeinden in ganz Deutschland durchgeführt. Die Studienreisen gehören seit langem zum Fortbildungsangebot der ZWST für diese Zielgruppe. Jüdische Traditionen und der Staat Israel spielen eine große Rolle in der Erziehung in den Kindergärten der jüdischen Gemeinden. Der ZWST ist es daher ein großes Anliegen, die Teams der jeweiligen Einrichtungen zu unterstützen.

Bea Singer und Daniela Banhardt, Erzieherinnen in der KiTa der Israelitischen Religionsgemeinde Württembergs in Stuttgart, waren von den vielfältigen pädagogischen Konzepten und Einrichtungen in Israel beeindruckt: „Am Frankfurter Flughafen trafen wir auf den Jugendreferenten der ZWST, Nachumi Rosenblatt, der die Gruppe leitete, sowie weitere ErzieherInnen aus ganz Deutschland. Mit einer Gruppe von 24 Leuten starteten wir nach Tel Aviv. Im Laufe einer Woche bekamen wir viele Einblicke in verschiedene pädagogische Einrichtungen mit unterschiedlichen Konzeptionen (Montessori, Reggio-Pädagogik, Waldorf, „Democracy Kindergarten“) und einer Internatsschule für verhaltensauffällige Jungen ab der 9.Klasse in Ra’anana. Besonders an dieser Schule ist, dass die Initiative ausschließlich von den Kindern ausgeht und nicht von den Lehrern erzwungen wird. Die Jungen haben die Möglichkeit, zwischen vier ungewöhnlichen Hauptfächern zu wählen, in denen sie auch Abitur machen können. Die möglichen Hauptfächer sind: Therapeutisches Reiten, Hundedressur, Musik und Scouting (natur- und landeskundliche Erfahrungen innerhalb einer großen, geschlossenen Gruppe).

Obwohl diese Kinder zum Teil aus vielen konventionellen Schulen verwiesen wurden, schließen die meisten mit einem guten Schulabschluss ab und finden ihren Weg zurück in die Gesellschaft. Allen Einrichtungen gemeinsam war, im Gegensatz zu vielen deutschen Einrichtungen, dass mit viel Mut, Engagement und Leichtigkeit gearbeitet wird, ohne strikte Auflagen und vorgefertigte Grenzen. Vieles ist mit einfachen Mitteln umsetzbar, und die Eigenständigkeit und Freude der Kinder steht dabei im Vordergrund.

Die Lebensart der Menschen dort spiegelte sich ganz besonders im „Moetzet Eshkol“ Kindergarten in Kfar Aza wider, welcher nur 7 km vom Gazastreifen entfernt liegt. Eine Lebensart voller Leichtigkeit, Unbeschwertheit und auf den Moment konzentriert. Der Kindergarten ist in Form eines Bunkers gebaut, welcher von einem Künstler in ein buntes, fröhliches Kunstwerk verwandelt wurde.

Unser Rahmenprogramm wurde bereichert durch einen Besuch in Yad Vashem und der Jerusalemer Altstadt. Dazu kamen Workshops mit dem Frankfurter Rabbiner Avichai Apel, der uns einen näheren Einblick in jüdische Erziehung ermöglichte, mit der 96-jährigen Tirza Hodes, die uns in Lebensfreude und Tanz unterrichtete und mit Simcha Leibovich von der WZO zum Thema Teambuildung.

Wir sind dem Vorstand unserer Gemeinde, unserer Kita-Leiterin Sabina Morein, der ZWST, Nachumi Rosenblatt und allen weiteren Reisebegleitern sehr dankbar für die einzigartigen und intensiven Erlebnisse, die wir in diesem Land mit seinen besonderen Menschen machen durften. Wir sind reich beschenkt worden, persönlich und für unsere weitere Arbeit als Erzieherinnen!

Vielen Dank!“

„Besonders erwähnen möchten wir Nachumi Rosenblatt, der durch seine geduldige und kompetente Art diese Reise zu etwas Besonderem gemacht hat. Wir bedanken uns bei allen, die diese Reise für uns möglich gemacht haben. Die Erfahrungen, die wir machen durften, werden uns bei der täglichen Arbeit in unseren Einrichtungen begleiten.“

Yvonne Gisevius, KiTa Bereschit der jüdischen Gemeinde Frankfurt/M.

Fachtagung für ReligionslehrerInnen in Heidelberg

Beim Gespräch mit Antisemitismus-beauftragten ging es um Judenhass im Klassenzimmer

Bereits zum 4. Mal organisierten die ZWST und der Zentralrat eine dreitägige Fortbildung für Religions- und HebräischlehrerInnen. Rund 70 Teilnehmer kamen vom So., 17.02 bis Di., 19.02. an der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg zusammen. Parallel dazu traf sich am Montag der Bundesbeauftragte Felix Klein mit den Antisemitismusbeauftragten der Länder zu einer gemeinsamen Sitzung. Vor dem Treffen in Heidelberg hatte Klein nochmals angemahnt, dass alle Bundesländer eigene Beauftragte für Strategien gegen Antisemitismus berufen sollten.

Am Dienstag traf dann Politik auf Praxis: Die Antisemitismusbeauftragten tauschten sich mit den Teilnehmern der Lehrerfortbildung aus. Dabei betonte Daniel Botmann, Geschäftsführer des Zentralrats, dass die Schule im Kampf gegen Antisemitismus strategisch ein wichtiges Feld sei. „Dort werden Grundlagen für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und für eine demokratische Bildung gelegt.“ Das Problem von Antisemitismus in Schulen sei ganz konkret. Und da gebe es klare Erwartungen an die Beauftragten des Bundes und der Länder. Wie dringend der Handlungsbedarf ist, zeigte sich, als LehrerInnen von antisemitischen Vorkommnissen in Klassenzimmern oder auf dem Schulweg berichteten. Michael Blume, der Antisemitismusbeauftragte Baden-Württembergs und Schleswig-Holsteins Wissenschaftsministerin Karin Prien betonten die Dringlichkeit eines langfristigen, gesamtgesellschaftlichen Vorgehens gegen antisemitische Vorfälle.

Aron Schuster, Direktor der ZWST, fasste die Aufgaben zusammen, die sich seiner Meinung nach aus dem Gespräch ergeben haben: „Wir brauchen verbesserte Lehrerausbildungen, eine bundesweite Meldepflicht antisemitischer Vorfälle und eine professionelle Beratung, wie Schulen mit dem Phänomen umgehen können.“ Dafür benötige man Geld und politischen Druck. Zudem wolle er den Beauftragten ans Herz legen, den Austausch mit den jüdischen Gemeinden und ihren Einrichtungen und Beschäftigten zu intensivieren.

Antisemitismus war ein zentrales, aber bei Weitem nicht das einzige Thema der Lehrerfortbildung. Eingeladen waren Lehrkräfte von jüdischen Gemeinden und Landesverbände sowie von Grund- und weiterführenden Schulen. Die Gastprofessorin für jüdische Musik, Diana Matut, sprach über „Performing Jewishness“. Sie erläuterte, dass Liedern und Popsongs bei der Vermittlung von jüdischer Kultur und Religion an Kinder und Jugendliche eine besondere Bedeutung zukommt. Hochschulrabbiner Shaul Friberg berichtete über die Geschichte der zehn verlorenen Stämme, Dozenten aus Israel boten einen Intensivkurs zur Vermittlung der hebräischen Grammatik als Fremdsprache an, und eine Vertreterin des Beit Hatfutsot präsentierte Lehrmaterialien des Tel Aviver Museums des jüdischen Volkes. Die Kultus- und Bildungsreferentin des Zentralrats, Shila Erlbaum, die auch die Lehrerfortbildung organisiert, stellte neue Lehrmaterialien vor, die der Zentralrat vom Niederländischen Israelitischen Gemeindebund erworben hat und in deutscher Übersetzung anbietet.

Noga Hartmann, Schulleiterin der Lichtigfeld-Schule, mit sechs Kolleginnen und Kollegen aus Frankfurt angereist, war mit dem Programm mehr als zufrieden: „Wir nehmen vieles mit: praktisches und theoretisches Wissen. Und auch der Austausch mit anderen Lehrkräften war hervorragend. Alles hat gestimmt.“

Detlef David Kauschke, Jüdische Allgemeine