Mit jungen Erwachsenen und Angehörigen der älteren Generation beim „March of the Living“ in Polen, 3.v.re.: Ilya Daboosh, ZWST

March of the Living: Die ZWST war mit 2 Delegationen dabei

„They tried to bury us, but they didn´t know we were seeds
Ein Ort der Erinnerung:
Dauerausstellung im „Block 27“
Auf der Suche nach Verwandten

Seit vielen Jahren organisiert die ZWST eine Studienreise rund um den „March of the Living“ in Polen. Am Gedenktag „Jom HaShoah“, in diesem Jahr am 2. Mai, wird an die sechs Millionen Opfer sowie an die jüdischen Widerstandskämpfer erinnert. Auch in diesem Jahr legten tausende junge Juden aus aller Welt die drei Kilometer zwischen dem ehemaligen Stammlager Auschwitz und dem ehemaligen Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau zurück. Erstmals erinnerten jüdische Studierende 1988 in Auschwitz an die Todesmärsche der KZ-Häftlinge kurz vor Kriegsende. In diesem Jahr war die ZWST erstmals mit 2 Delegationen dabei, gefördert vom Zentralrat der Juden und vom Bundesfamilienministerium: Eine Gruppe mit jungen Erwachsenen, 35 Studierende und SchülerInnen aus Deutschland und 6 Schweizer Studierende sowie eine Gruppe „2. und 3. Generation“ mit 10 TeilnehmerInnen ab 35 Jahren. Die Studienreise der jungen Delegation, begleitet von Beni Polak und Ilya Daboosh, führte die TeilnehmerInnen nicht nur an Stätten der Vernichtung, wie Majdanek oder Treblinka.

Ilya Daboosh (ZWST, Projekt 18+) zum pädagogischen Konzept: „Das Programm beinhaltet auch den Besuch von Orten, die nicht mit der nationalsozialistischen Judenvernichtung verbunden sind. Beispielsweise gehen wir in die ehemals berühmteste Jeshiwa in Lublin, das ´Harvard` unter den Talmudschulen, besuchen in Warschau den alten jüdischen Friedhof, in Krakau eine alte Synagoge und das jüdische Viertel Kazimierz. Wir haben auch Kontakt zur dortigen jüdischen Gemeinde. Deren Mitglieder berichten den Jugendlichen davon, wie das jüdische Leben in Polen heute aussieht. In Zamość besuchten wir die einzig orientalisch erbaute Synagoge. Wir versuchen, uns nicht nur auf das Grauen zu fokussieren, sondern den Schülern und Studenten auch ein anderes Bild zu zeigen. Auch der Kontakt zu Zeitzeugen ist unglaublich wichtig. Wenn man einen Menschen vor sich hat, der den Holocaust selbst erlebt hat, kann man die Bedeutung viel besser begreifen. Bald werden wir auf die Zeugen der Zeitzeugen angewiesen sein.“

Die Gruppe „2. und 3. Generation“ wurde begleitet von Anatoli Purnik vom ZWST-Sozialreferat und Rachel Cohen, Guide aus Israel. Sie zeigte sich beeindruckt von der vielsprachigen Gruppe, in der die Kommunikation auch in hebräischer Sprache möglich war. Die Reise führte die Gruppe durch das jüdische Viertel von Krakau, das ehemalige Ghetto und in das Museum der ehemaligen Fabrik von Oskar Schindler. In Auschwitz-Birkenau trafen sich beide Delegationen, um gemeinsam den „Marsch der Lebenden“ zu gehen.

Klara Reder-Shemaryahu, Teilnehmerin aus Köln, beschreibt ihre Eindrücke: „(..) Der Besuch des ´Block 27`, einer Dauerausstellung von Yad Vashem in Auschwitz und dann der MOTL - das ist eine emotionale Achterbahn, die ich trotzdem jedem empfehlen kann. Am Vormittag sahen wir die Berge von tausenden von Schuhen der Ermordeten und die Gaskammern, am Nachmittag trafen wir eine Gruppe von ungarischen Juden aus Kanada, die Auschwitz überlebt hatten und trotz ihres Alters einen unglaublich fitten Eindruck machten. Menschen reden spontan miteinander, Jugendliche weinen mit den Alten zusammen…. Es ist als ob die ganze Welt zusammen dem Holocaust gedenkt. Es ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Marsch des Lebens, für das Leben, für die Zukunft, gegen das Vergessen. Nach der bewegenden offiziellen Zeremonie durften wir mit der jungen Gruppe einer unbeschreiblich schönen Abschlusszeremonie beiwohnen, die ich niemals vergessen werde. Vielen Dank, ZWST, vielen Dank an alle, die uns begleitet haben!“

HvB, ZWST