Judith Tarazi (li.) mit Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen und Kerstin Griese, Parlamentarische Staatssekretärin, Fotos: Behindertenbeauftragter/Laroche

ZWST freut sich über hohen Besuch in ihrem Berliner Kunstatelier Omanut

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Jürgen Dusel begrüßt einen Teilnehmer

Kunstatelier Omanut

Joachimsthaler Str. 13
10719 Berlin
T.: 030 / 887 133931 723
www.kunstatelier-omanut.de
www.facebook.com/KunstatelierOmanut

Öffnungszeiten:
Mo-Fr 11-15 Uhr
und nach Vereinbarungeutb@zwst.org

EUTB

Am 2. Juli hatte sich wichtiger Besuch im Kunstatelier Omanut angekündigt: Mit Jürgen Dusel, Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen und Kerstin Griese, Parlamentarische Staatssekretärin (beide SPD) besuchten zwei Repräsentanten des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) das Kunstatelier in der Joachimsthaler Straße, um sich vor Ort ein Bild von den Werkstätten und der dort angebotenen ´Ergänzenden unabhängigen Teilhabeberatung` (EUTB) zu machen.

Rund ein Jahr ist es her, da erhielt das Kunstatelier Omanut als eine von bundesweit mittlerweile rund 500 Einrichtungen den Zuschlag für die vom BMAS ausgelobte EUTB, die ´niedrigschwellige Beratungsangebote zur Stärkung der Selbstbestimmung für Menschen mit Behinderungen und von Behinderung bedrohter Menschen` fördert. Dusel und Griese zeigten sich von dem Besuch im Kunstatelier begeistert. Die dort angebotene EUTB erfreut sich großer Beliebtheit. Dabei spielen die sogenannten Peer Counselors, die als Betroffene andere Betroffene beraten, eine besondere Rolle.

„Ich weiß genau, wovon du sprichst“: Einer von ihnen ist Jörg Kaminski, der selbst seit 2012 Teilnehmer des Kunstateliers war und sich mit der Einrichtung der EUTB-Stelle im vergangenen Jahr zum ´Peer Counselor` weiterbildete. „Empathisch sein, zuhören, Verständnis zeigen“, diese Aspekte seiner Arbeit hebt Kaminski ganz besonders hervor. Aufgrund seiner eigenen Lebens- und Krankheitserfahrung könne er den Beratungssuchenden das Gefühl vermitteln: „Ich weiß genau, wovon du sprichst.“ Dabei stelle er sich in den Gesprächen stets die Fragen: „Welche Ressourcen sind da? Was können die Ratsuchenden selbst machen?“ Schließlich sei dieses Prinzip der Hilfe zur Selbsthilfe für ihn der Inbegriff des ZWST-Leitbilds ´Zedaka`.

Die Bedeutug des ´Peer Counseling` hervorzuheben, ist auch Kerstin Griese ein Anliegen. Darüber hinaus betont sie den zentralen Aspekt der Unabhängigkeit: „Die Idee der EUTB ist es, dass die Beratungen nicht von den klassischen Trägern der sozialen Arbeit gemacht werden, sondern möglichst von denen, die es sonst nicht immer machen, damit eben auch sehr unabhängig beraten wird.“ Das kommt gut an.

Doch bei allem Erfolg der EUTB sind sich sowohl die Leiterin des Ateliers, Judith Tarazi und Jörg Kaminski als auch ZWST-Direktor Aron Schuster und Günter Jek, Leiter des Berliner ZWST-Büros, über eine erhebliche Einschränkung einig: „Es fehlt an der öffentlichen Wahrnehmung!“ Anlass für Jürgen Dusel, dessen Amtszeit unter dem Motto ´Demokratie braucht Inklusion` steht, zu betonen: „Es leben in Deutschland 13 Millionen Menschen mit Behinderungen. Das ist eine große Gruppe. Das muss mehr ins öffentliche Bewusstsein.“ Kerstin Griese ihrerseits bekräftigt vor diesem Hintergrund den Willen ihrer Behörde, das EUTB-Programm nicht nur zu verlängern, sondern auch mit besseren finanziellen Mitteln auszustatten – Musik in den Ohren der Vertreter von Omanut und ZWST. Und zugleich ein wichtiger Schritt für den weiteren Ausbau von ambulanten Betreuungsprogrammen für Menschen mit Behinderungen – und mehr Zedaka.

Jüdische Allgemeine, 02. Juli 2019

Leicht gekürzte Version, erschienen in der Online-Ausgabe der Jüdischen Allgemeinen vom 2. Juli 2019

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„Wenn erstmal alles anders ist“

Neuer Ratgeber der Aktion Mensch für Eltern von Kindern mit Behinderung oder chronischer Erkrankung

Gebündelte Informationen für Eltern von Kindern mit Behinderung oder chronischer Erkrankung als kostenlose Broschüre erhältlich.

Der Ratgeber schließt eine Marktlücke, ein vergleichbares Angebot ist zurzeit nicht erhältlich.

Zugehörige Online-Plattform ergänzt Informationen mit Materialien auch zum Download.

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“Wenn erst mal alles anders ist“ heißt der neue Ratgeber der Aktion Mensch, der sich gezielt an (werdende) Eltern von Kindern mit Behinderung oder einer chronischen Erkrankung wendet. Die Broschüre bündelt hilfreiche Sachinformationen, Tipps von Experten sowie Erfahrungen von Familien, die diese Situation bereits gemeistert haben. Ein zugehöriges Webangebot bietet weitere Hilfsmittel und Materialien zum Download und Bestellen an.

Viele Eltern fühlen sich überfordert und hilflos, wenn sie erfahren, dass sich ihr Kind anders entwickelt als die meisten anderen. Das will die Broschüre ändern. Auf 48 Seiten finden Eltern hier Antworten auf Fragen, die sie in dieser Zeit beschäftigen: Wo finde ich medizinische Anlaufstellen zu Diagnose und Therapie, finanzielle Unterstützung oder Selbsthilfegruppen? Was ist Frühförderung und welche Nachteilsausgleiche gibt es für Familien? Neben praktischen Hilfestellungen enthält der Ratgeber auch wichtige Adressen von Beratungsstellen, gibt Tipps zur Bewältigung des Alltags sowie Informationen, wie Eltern zu ihrem Recht kommen.

Ein vergleichbares Informationsangebot für Eltern von Kindern in dieser speziellen Situation gibt es momentan nicht. Mit der Broschüre „Wenn erstmal alles anders ist“ schließt die Aktion Mensch diese Lücke: Sie ist das Produkt vieler Gespräche und Workshops mit Beratern, Verbandsexperten und Familien in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband für Körper- und mehrfachbehinderte Menschen (bvkm).

Die Broschüre ist kostenlos über den Familienratgeber der Aktion Mensch zu beziehen und auch als barrierefreies Download erhältlich. Ergänzt wird der Ratgeber durch zusätzliche Online-Angebote.

Alle Informationen und Materialien auf:
www.familienratgeber.de/elterninfo 
www.familienratgeber.de 
www.aktion-mensch.de

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Info und Kontakt:
Aktion Mensch e.V.
Ulrike Pfaff, Pressereferentin
T.: 0228 2092-359
Mail: ulrike.pfaff@aktion-mensch.de
www.aktion-mensch.de/presse

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Fachtagung: „Eine ganz normale Familie“

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Wie Selbsthilfe-Gruppen die jüdische Gemeindearbeit bereichern

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Bereicherung des Gemeindelebens durchSelbsthilfegruppen in NRW

Die gesellschaftliche Teilhabe von Menschen mit einer Behinderung – sei sie körperlich, geistig oder psychisch – und ihrer Familien ist oft stark eingeschränkt. Ganz besonders, wenn sie als Juden in Deutschland ohnehin einer Minderheit angehören und wenn Migrationshintergrund und Sprachbarrieren hinzukommen. Kaum jemand, der nicht in derselben Situation ist, kann die alltäglichen Probleme nachvollziehen. Dadurch fühlen sich Betroffene häufig ausgeschlossen – aus der deutschen Gesellschaft, von Hilfsangeboten in deutscher Sprache, von christlich-kirchlichen Trägern und sogar aus ihrer jüdischen Heimatgemeinde.

In Nordrhein-Westfalen besteht seit Frühjahr 2017 ein von der Aktion Mensch gefördertes Projekt der ZWST, das diese Probleme überwinden will: Mit Unterstützung der Projekt-Mitarbeiterin Jana Stachevski haben Betroffene in Recklinghausen, Köln, Duisburg und Essen Selbsthilfe-Gruppen ins Leben gerufen. Hier trifft man sich regelmäßig in den jüdischen Gemeinden, um sich auszutauschen, sich gegenseitig zu helfen und gemeinsam Spaß zu haben.

Interesse am Aufbau einer neuen oder Teilnahme an einer bestehenden Selbsthilfegruppe?
Kontakt: Jana Stachevski
stachevski@zwst.org

Ein erstes Fazit dieses Projektes ist positiv: Die TeilnehmerInnen fühlen sich weniger allein. „Früher habe ich mich geschämt, jemanden nach Hause einzuladen. Dadurch waren wir in der Gemeinde ziemlich isoliert. Jetzt sehe ich, dass auch andere Familien ihre Probleme haben und traue mich mehr, über unser Leben mit einem behinderten Kind zu sprechen. Wir haben im letzten Jahr Freundschaften geschlossen und besuchen uns gegenseitig zu Hause, ohne uns zu schämen“, so eine Teilnehmerin einer Selbsthilfegruppe. Es gibt sogar ein Paar, das sich gefunden und geheiratet hat. Das Gemeindeleben wird belebt und bereichert, denn das Judentum ist auf eine lebendige Gemeinschaft angewiesen. Schabbat und Feiertage sollen gemeinsam gefeiert werden.

Der Grundansatz von Selbsthilfegruppen funktioniert: Die Betroffenen stärken sich gegenseitig, lernen voneinander und geben praktische Tipps weiter. Wo muss man Anträge stellen, welche Fördermöglichkeiten gibt es, wie funktioniert das deutsche Pflegesystem? Die TeilnehmerInnen erfahren dabei eine neue Anerkennung und Selbstwirksamkeit. „Mir wird immer mehr klar, dass es ganz viel gibt, das ich selbst tun kann, um mein Leben zu verbessern“, sagt ein Teilnehmer. Er hat vor kurzem eine Ausbildung begonnen. Vor zwei Jahren wäre es für ihn noch unvorstellbar gewesen, dass er durch eine regelmäßige Arbeit seinen Lebensunterhalt selbst sichern könnte. Das in der Selbsthilfegruppe neu gewonnene Selbstbewusstsein hat ihm den Mut gegeben, sich aktiv zu bewerben – mit Erfolg. Andere TeilnehmerInnen haben einen Bundesfreiwilligendienst angetreten und auf diese Weise ebenfalls einen Weg in den ersten Arbeitsmarkt gefunden. So stärkt die Selbsthilfegruppe ihre Teilnehmer auch über die jüdische Gemeinschaft hinaus für ihren individuellen Lebensalltag.

Es gibt in den Gemeinden unterschiedliche Formate für Selbsthilfegruppen, je nach Bedarf der betroffenen Gemeindemitglieder: Aktivitäten für Menschen mit Behinderung, Beratung und Austausch für Angehörige sowie gemeinsame Aktivitäten wie Theater- oder Varieté-Besuche. In Kooperation mit dem Makkabi-Sportverein gibt es einen Schachklub in Dortmund, auch in Duisburg ist ein Schachklub gemeinsam mit Makkabi in Planung.

Das laufende Modellprojekt in Nordrhein-Westfalen zeigt eindrucksvoll den wertvollen Beitrag von Selbsthilfe-Gruppen für die jüdische Gemeindearbeit. Sie sind ein Weg, Hillels Worte aus den Sprüchen der Väter praktisch umzusetzen: „Wenn ich nicht für mich bin, wer ist für mich? Und wenn ich nur für mich bin, was bin ich?“ Wir sind aufgefordert, für uns selbst und unsere besonderen Bedürfnisse gut zu sorgen. Aber nicht egoistisch für uns, sondern in Gemeinschaft mit anderen und für andere. Diese ethische Forderung erfüllen Selbsthilfegruppen, die somit aus einer jüdischen Gemeinde gar nicht wegzudenken sind.

Jana Stachevski, Wiebke Rasumny, ZWST

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