zwst informiert
Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V.

Ausgabe 2  •  Juni 2020

Hilfe für Geflüchtete in Kooperation mit IsraAID und
„Aktion Deutschland Hilft“

IsraAID
Die Leadership-Projekte in Berlin und die Projekte im Ausland (Griechenland, Guatemala, Südpazifik) werden aus Spendenmitteln von „Aktion Deutschland Hilft“ finanziert
aktion_de
Projekt „Hand in Hand“ - gefördert vom Ministerium für Soziales, Gesundheit, Integration und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg

Auch unter den erschwerten Bedingungen der Corona-Krise engagieren sich Geflüchtete im Rahmen der Leadership-Gruppen von IsraAID Germany e.V. in Kooperation mit der ZWST.

Einer dieser „Engel in der Krise“ ist Marah, eine junge Frau mit syrischen Wurzeln, die sich in Berlin auf vielfältige Weise sozial engagiert. Sie investiert ihre Freizeit in die Unterstützung von arabischsprachigen Kindern in Geflüchtetenunterkünften bei Schulaufgaben, seit Beginn der Krise im Rahmen von Online-Sessions. Durch ihre ehrenamtliche Tätigkeit bei IsraAID steht sie außerdem in Kontakt mit den Bewohnern einer Pflegeeinrichtung. Vor dem Hintergrund der eingeschränkten Besuchsmöglichkeiten, hält sie über Briefe den Kontakt mit den Senioren aufrecht. Zweimal wöchentlich leitet Marah darüber hinaus ein Sprachcafé für Geflüchtete und unterstützt die Teilnehmenden mit ihren Deutschkenntnissen, zurzeit im Online-Format. Marah ist selber erst seit zwei Jahren in Deutschland und weiß aus eigener Erfahrung, wie wichtig es ist, die eigene Motivation aufrecht zu erhalten. Mit ihrer Energie und Freude ist Marah ein großes Vorbild für viele neuankommende Geflüchtete in Deutschland.

zwst_2.20 22
Anna und Marah (re.) von IsraAID übergeben Schutzmasken an Tanja Koroll, Leiterin des Berliner Treffpunktes für Shoah-Überlebende

Schutzmasken für Senioreneinrichtungen und Unterkünfte für Geflüchtete: Im Rahmen der Leadership-Programme haben Geflüchtete projektübergreifend in Stuttgart, Frankfurt/Main und Berlin im Mai mit der Herstellung von Schutzmasken begonnen. Die Masken kommen zum einen den Zielgruppen der von IsraAID implementierten Projekte zugute, darüber hinaus wird ein großer Teil an ein Projekt für jüdische Senioren und Überlebende der Shoah gespendet. Sie werden unter anderem im ZWST-Kunstatelier Omanut in Berlin genäht.

„Hand in Hand“ - einmaliges Schutzprojekt in Brandenburg zur psychosozialen Unterstützung von Jesiden, die Vertreibung und Völkermord, v.a. im Nordirak überlebt haben: Um die dringend benötigte Hilfe auch in Zeiten der Corona-Beschränkungen aufrecht zu erhalten, hat das Team von IsraAID diese Unterstützung fortgesetzt. Das Team umfasst Experten für psychosoziale und pädagogische Arbeit und Geflüchtete mit jesidischem und kurdischem Hintergrund. Sie wurden im Rahmen von IsraAID-Programmen ausgebildet und sind als „Community-Mediatoren“ tätig. Sie haben bereits an einem Projekt von IsraAID teilgenommen und wurden hier zu „Navigatoren“ ausgebildet. Sie sprechen die Sprache der Zielgruppe und können so sprachliche und kulturelle Barrieren überbrücken. Die Erfahrung hat gezeigt, dass durch diesen Ansatz ein intensiveres Vertrauensverhältnis hergestellt werden kann. In beispiellosem Einsatz stellen sie sicher, dass die regelmäßigen Angebote zur Traumabewältigung weiterhin für die Gemeinschaft der jesidischen Geflüchteten zur Verfügung stehen.


In diesem Projekt wurde besonderer Wert auf die Fortsetzung des persönlichen Kontaktes gelegt - mit den entsprechenden Hygienekonzepten wurde diese Arbeit daher „ganz normal“ weiter geführt.

zwst_2.20 23
Schutzmasken für Senioren und Geflüchtete – eine projektübergreifende Aktion

Kreative Hilfe in Griechenland: Im Zuge der durch das Virus COVID-19 ausgelösten Krise hat das Projekt „Navigation Greece“ in Thessaloniki und Serres (Kleinstadt 80 km nördlich) schnell auf die neuen Herausforderungen reagiert. Die im Rahmen des Projektes angewendete Kunsttherapie wurde um Online-Methoden erweitert, um den Kontakt zu den Projektteilnehmenden, in erster Linie Kinder, auch während der Einschränkungen aufrechterhalten zu können. Nach einer kurzen Phase der Eingewöhnung entwickelten einige der teilnehmenden Kinder kreative Potenziale. Der 4-jährige Amin aus Syrien sammelte Nüsse und Früchte (anstelle von Farbe und Papier), um so im Laufe der onlinegestützten Sitzungen mit der Kunsttherapeutin seine Gefühle auszudrücken. Er hat die Materialien gemeinsam mit seiner Mutter ausgesucht, die aufgrund der schwierigen Kommunikationslage während der Corona-Krise enger in den Therapieprozess mit eingebunden wurde.


Corona-Soforthilfe in Escuintla, Guatemala: Seit dem Jahr 2018 unterstützt IsraAID vulnerable Bevölkerungsgruppen in der Gemeinde La Dignidad in der guatemaltekischen Stadt Escuintla, die besonders unter den Folgen des Vulkanausbruches im Juni 2018 zu leiden haben.


Die Menschen in La Dignidad sind im besonderen Maße von den Auswirkungen der Corona-Krise bedroht, sowohl gesundheitlich als auch ökonomisch. In Anbetracht der drohenden Verbreitung des Virus wurde Anfang Mai ein Projekt zur Stärkung der Resilienz der Zielgruppe initiiert. Dazu gehören folgende Maßnahmen: Förderung von Hygienestandards, Aufklärung über die Gefahren einer Ansteckung, psychosoziale Unterstützung von Kindern, Verteilung von Versorgungspaketen, Stärkung der Resilienz von kleinen Unternehmen. Basierend auf umfassenden Erfahrungen der Nothilfe im Kontext von Epidemien, wie zum Beispiel während der Ebola-Krise 2014 in Sierra Leone, verfolgt IsraAID einen Ansatz der Informations- und Präventionsarbeit, gekoppelt mit unmittelbarer Hilfe durch die Bereitstellung von Hilfsgütern und psychosozialer Versorgung. Um die Nachhaltigkeit der Unterstützungen zu garantieren, werden längerfristige Faktoren zur Linderung der Krisenfolgen mitgedacht. Dazu gehört die Schulung von pädagogischem Personal, Lehrern und Gemeindevertretern hinsichtlich der Erkennung und dem Umgang mit Fällen von genderbasierter Gewalt (GBV) oder die Unterstützung von bedrohten wirtschaftlichen Existenzen.


Soforthilfe in in Vanatu, Südpazifik: Im Zuge der durch den tropischen Sturm „Harold“ verursachten Zerstörungen Anfang April, steht der südpazifische Inselstaat Vanatu, besonders durch die durch das Virus COIVID-19 ausgelöste Krise, vor immensen Herausforderungen in der Versorgung der Einwohner mit sanitärer und hygienischer Grundversorgung. IsraAID unterstützt hierbei mit der Rehabilitierung von WASH Infrastruktur (Wasser, sanitäre Einrichtungen, Hygiene) in insgesamt 6 Gesundheitseinrichtungen, die einen Einzugsbereich von insgesamt 5.500 Menschen in 80 Gemeinden abdecken. Neben der Bereitstellung von sanitärem Equipment ist die Sensibilisierung der Begünstigten bezüglich grundlegender Hygienemaßnahmen und der Aufklärung über Gesundheitsrisiken im Zuge der vom Virus ausgelösten Krankheit, ein Grundbestandteil des Projektes.

Nathanael Willi, IsraAID, Partnerships/Project Manager

zwst%20logo_trenn_weiss_250

ZWST erhält Zertifikat des deutschen Spendenrates

transparenz
www.spendenrat.de

Das Spendenkonto der ZWST hier

Für die ZWST ist es entsprechend ihrem Leitbild „Zedaka“, dem jüdischen Verständnis von Wohltätigkeit, eine „Mizwa“ (Pflicht), Hilfeleistungen zu erbringen im Sinne einer ausgleichenden sozialen Gerechtigkeit. Dieses Leitbild trägt die vielfältigen Handlungsfelder der ZWST. Dazu gehört unter anderem die Unterstützung und Förderung der jungen Generation, von Menschen mit einer Einschränkung, die Begleitung von Überlebenden der Shoah, von zugewanderten oder geflüchteten Menschen u.v.a.m. Die ZWST macht sich Teilhabe und Empowerment marginalisierter Gruppen, in erster Linie innerhalb der jüdischen Gemeinschaft, zu ihrer Kernaufgabe.

Die Unterstützung durch Spenden ist ein wichtiger Beitrag, um diese vielfältigen Aufgaben umsetzen zu können und ist gleichzeitig eine wichtige Geste der Solidarität mit der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland.

Der verantwortungsbewusste und transparente Umgang mit Spendengeldern hat für die ZWST höchste Priorität. Durch ihre Mitgliedschaft im Deutschen Spendenrat e.V., dem Dachverband für Vertrauen und Transparenz im Spendenwesen, verpflichtet sich die ZWST, ihre Arbeit jährlich gegenüber dem Deutschen Spendenrat und der Öffentlichkeit transparent und verständlich offenzulegen. Dazu gehört eine Prüfung der Finanzen der ZWST durch unabhängige Wirtschaftsprüfer.

Die Verleihung des Spendenzertifikates bescheinigt der ZWST eine zweckgerichtete, wirtschaftliche und sparsame Mittelverwendung der Spenden- und Fördergelder sowie die Einhaltung der Grundsätze des Deutschen Spendenrates e.V.

Vor dem Hintergrund der aktuellen Krisen-Situation aufgrund der Corona-Pandemie, in der viele Zielgruppen der ZWST auf spezifische Hilfe und Unterstützung angewiesen sind, bekommt die Verleihung des Spendenzertifikates ein besonderes Gewicht.

zwst%20logo_trenn_weiss_250