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Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V.

Ausgabe 1  •  April 2020

Wintersaison der ZWST in Bad Sobernheim, Italien und Israel

Ein vielversprechender Start in das neue Jahr 2020

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Entsprechend dem Motto der Wintermachanot „Joter“ („mehr“) konnte die ZWST in diesem Winter eine ungewöhnliche hohe Zahl an Teilnehmenden an den Machanot und Seminaren begrüßen: Mit zirka 440 Teilnehmenden und 90 Madrichim (inklusive Staff) ist das Kinder-, Jugend- und Familienreferat der ZWST in das neue Jahr 2020 gestartet.

Wintermachanot „Joter“: Vom 23. Dezember bis 02. Januar waren rund 200 Kinder und Jugendliche aus jüdischen Gemeinden in ganz Deutschland auf Machanot unterwegs. Das Motto „Joter“ sollte die Chanichim dazu motivieren, mehr aus sich herauszuholen und sich aktiv für mehr Jüdischkeit einzusetzen. Unter anderem wurden folgende Themen in Projekten kreativ umgesetzt: - „Chai in Deutschland“: Das jüdische Leben in Deutschland ist mehr als der Holocaust und die Erinnerungskultur. Jüdisches Leben in Deutschland ist: Machane, Jugendzentrum, Synagoge, Bat-/Bar Mitzvah Partys u.v.a.m. - „Sei a Mensch“: Es liegt in der Verantwortung eines jeden, seine Mitmenschen, unabhängig von ihrer Religion, Hautfarbe oder sozialen Herkunft, ob mit oder ohne geistige oder körperliche Einschränkungen, zu respektieren. Beim Auszug aus der Sklaverei in Ägypten stellte sich das Volk Israel gegen den Strom, um etwas zu verändern. Es sollte vermittelt werden, dass es viele Wege gibt, um für seine Überzeugung einzustehen.

Ob spannende und lehrreiche Projekte, zusammenschweißende Peulot, sportliche Aktivitäten, Ausflüge – die Programme im Max-Willner-Heim für 10-13jährige und in Natz/Südtirol für 14-18jährige boten für jeden etwas. In Natz stand der Wintersport im Fokus, Skifahren, Snowboarding u.v.a.m.

Gefördert von:
lotterieGenesis

Winterseminar für angehende MadrichimParallel zum Wintermachane in Bad Sobernheim fand das Seminar für angehende Madrichim statt, die die Ausbildungsreihe Jugendarbeit erfolgreich abgeschlossen haben. Entsprechend dem Motto „Learning by Doing“ simulierten 18 Teilnehmende im Max-Willner-Heim eine 10-tägige Jugendfreizeit zum Thema „G’wura“ (hebr., Heldentum) mit Spiel, Tanz, Gesang, Geschichten und jüdischen Inhalten. Das Thema war inhaltlich an den jüdischen Feiertag Chanukka angelehnt, bei dem es den Makkabäern durch ihre Heldentaten gelang, die Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem zu erkämpfen. Begleitet wurde das Seminar von Referenten aus Pädagogik und Psychologie, die professionelle Workshops zu den Themen Rhetorik, künstlerische Gestaltung in der Jugendarbeit, Inklusion, Mediation und der Bedeutung von Werten in der Jugendarbeit durchführten. Ein Highlight war die Exkursion nach Straßburg, bei der den Teilnehmenden ein umfangreicher Einblick in das Leben einer praktizierenden orthodoxen jüdischen Gemeinde geboten wurde.

ZWST, Kinder- , Jugend- Familienreferat

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Ausflug nach Straßburg
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Foto:  Robert Poticha
Makkabi

Makkabi-Skiweek mit Unterstützung der ZWST Auf die Wintermachanot folgte vom 03. bis 10. Januar wieder eine „Makkabi-Skiweek“ mit organisatorischer und logistischer Unterstützung der ZWST. Rund 100 Teilnehmende aus Deutschland, Frankreich, Österreich, Schweiz, Osteuropa, Russland, Ukraine und Israel verbrachten in Südtirol eine unvergessliche Woche im Schnee. Zur Gruppe gehörten vor allem junge Erwachsene, aber auch ältere Teilnehmende. Das Makkabi-Team mit Rosh Alfi Goldenberg (Vize-Präsident von Makkabi Deutschland) hatte ein vielfältiges Programm organisiert. Hier war für jeden etwas dabei: vom Skisport im weitläufigen Jochtal bis hin zu Skistock-Schießen, Snowboarding, Schlittenfahren und Ausflüge, z.B. nach Brixen. Auch das Aprés-Ski-Programm kam nicht zu kurz.

Simon Beckmann vom Jugendprojekt des Inklusionsfachbereiches Gesher der ZWST war als Teilnehmer dabei: „Im Rahmen eines von mir organisierten Abendprogrammes im Stil der ZWST-Machanot, war es eine Freude, die Teilnehmenden ehrgeizig um jeden Punkt kämpfen zu sehen, so wie man das von Kindern kennt. Die Skiweek verbindet für mich Jüdischkeit und Sport. Auch nächstes Jahr werde ich mit Sicherheit wieder ein Teil davon sein.“ Der jüdische Sportbund zieht ein positives Fazit: „Nicht nur die Teilnehmerzahl hat sich dieses Jahr im Vergleich zur ersten Skiweek mehr als verdoppelt, auch die Vielzahl an teilnehmenden Ortsvereinen und Nationen zeigt, dass die Skiweek 2020 ein Wahnsinns-Event für Groß und Klein war!“ (Facebook Makkabi Deutschland)

HvB, ZWST

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Skisport für die Kids

Am Familienseminar in Raas/Südtirol vom 23.12.2019 bis 02.01.2020, geleitet von Anastasia Quensel (ZWST), nahmen rund 90 Erwachsene und Kinder aus ganz Deutschland teil. Zum Programm gehörte Skisport und Schlittschuhlaufen sowie Ausflüge nach Brixen, unter anderem mit einem Besuch der Lichtershow „Solimans Traum“. Wie jedes Jahr wurde sowohl für das leibliche als auch das geistige Wohl gesorgt, mit vielen Shiurim mit Rabbiner Julien Soussan (Jüdische Gemeinde Frankfurt/M.), Dr. Gilad Ben-Nun (Universität Leipzig) und anderen Referenten. Die Betreuung der Kinder durch die Madrichim Noam, Odelia, Ateret, Igal, Esther, Oleg und David ermöglichte den Eltern Austausch und geselliges Zusammensein sowie die Teilnahme an Vorträgen und Workshops. Viele neue Freundschaften entstanden so nicht nur unter den Kindern, sondern auch unter den Erwachsenen.

Anastasia Quensel, ZWST

„Es war ein rundum gelungener Aufenthalt. Ich bin noch heute von der Atmosphäre, der Organisation und den Teilnehmern – neue Gesichter, viele Eindrücke – angetan.“

Alexis Emanuel Petri, Frankfurt

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Studienreise für jüdische und nichtjüdische Lehrkräfte nach Israel

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In Jerusalem 

Foto: I.E. Lichtigfeld-Schule

Vom 29.12.2019 bis 03.01.2020 haben die ZWST und der Zentralrat der Juden wieder eine Studienreise für Lehrkräfte an jüdischen Schulen organisiert. Im Rahmen dieser 6tägigen Reise, geleitet von Xenia Fuchs (langjährige Jugendleiterin der ZWST), erhielten die 21 Teilnehmenden einen breiten Einblick in die verschiedenen Schulsysteme und Schultypen Israels. Mit vielen neuen Ideen für den Religions- und Hebräischunterricht, aber auch für die gesamte Unterrichtsgestaltung kehrten alle Teilnehmenden, gestärkt für die pädagogische Arbeit, an ihre Schulen zurück.

Dr. Noga Hartmann, Leiterin der Lichtigfeldschule der Jüdischen Gemeinde Frankfurt, skizziert das Programm: „Diese Reise ins Heilige Land hat viele Besuche an besonderen Schulen mit der Kultur und der langen Geschichte des Landes verbunden. In Jerusalem: Museum Yad Vashem, Machane Yehuda Markt, Altstadttour zu den wichtigsten Stätten der drei großen monotheistischen Religionen, Kotel-Tunnel an der Klagemauer. In Tel Aviv: Gymnasium ´Ironi Dalet`, Gymnasium ´Bar Ilan`, Bialik-Rogozin-Grundschule mit einem besonderen Konzept für die Beschulung von Flüchtlingskindern, Meron-Grundschule mit vielen Einwandererkindern, Meshutaf-Schule mit Kindern aus religiösen und weltlichen Familien. Besuch in Kfar Chabad mit Mazza-Bäckerei und Informationen über Rabbiner Menachem Mendel Schneerson und sein Wirken. In Haifa: Leo Baeck-Schulcampus, Aussichtsplattform mit Ausblick über die Bahai-Gärten, Besuch im drusischen Dorf Isfya. Ein besonderes Erlebnis war der Jiddish-Spiel-Abend ´Familie Malavski` im Theater mit traditionellen Gesängen.

Es war eine intensive, spannende und bunte Studienreise, eine großartige Bereicherung für uns persönlich und v.a. für unsere schulische Arbeit. Herzlichen Dank an die ZWST, den Zentralrat und nicht zuletzt an unsere Gemeinde.“

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Bar- und Bat Mitzwa Reise nach Israel

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Alle 2 Jahre organisiert die ZWST eine Bar- und Bat Mitzwa-Reise nach Israel für 11-14jährige Jugendliche, um ihnen jüdische Tradition und Kultur in ihrer Vielfältigkeit näher zu bringen. Die Bar- (für Jungen) und Bat Mitzwa (für Mädchen) markiert im Judentum den Übergang zum Erwachsenwerden mit allen Rechten und Pflichten.

Die in diesem Winter ungewöhnlich große Gruppe mit 42 Teilnehmenden, die dieses festliche Ereignis noch vor sich oder es bereits begangen haben, wurde von Rosch Benny Pollak und den Madrichim Ilja und Shirly begleitet. Teilnehmer David (13) feierte während dieser Reise seine Bar-Mitzwa in der Synagoge des Kibbuz Sde Nechamia im Norden Israels, mit viel Gesang und Tanz mit der gesamten Gruppe.

Die Jugendlichen besichtigten eine Fabrik zur Herstellung von Talitot (Gebetstücher), durften erleben, wie eine Thora geschrieben wurde und erhielten Einblick in die Herstellung von Tfillin (Gebetsriemen). Zum Programm gehörte auch das Wandern auf jüdischen Spuren: ein Aufstieg auf die Festung Massada bei Sonnenaufgang und Besuche der vielen historischen Stätten in Jerusalem und Zfat. Ein Besuch bei den Beduinen und eine Fahrradtour in ein Naturreservoir, das den Zugvögeln nach Afrika als Zwischenstopp dient, waren weitere Beispiele für diese kontrastreiche Israelreise.

HvB, ZWST

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„4000 Jugendliche, 54 Länder, über 300 Communities - verbunden durch das Judentum“

ZWST-Delegation bei der International Convention in Dallas

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Im Rahmen ihres Projektes ZWSTJugend International, einer Kooperation mit BBYO, war die ZWST bereits zum 2. Mal bei der jährlich organisierten International Convention (IC) der BBYO dabei. Mit einer 17köpfigen Delegation, betreut von den Projektleitern Ilja Cinciper und Bella Davydov, machte man sich am 6. Februar auf den Weg nach Dallas, Texas. Mit rund 120 weiteren jüdischen Jugendlichen aus aller Welt startete die Gruppe am Frankfurter Flughafen zu diesem ganz besonderen internationalen Jugendkongress.

Vor dem Kongress waren die Jugendlichen bei Gastfamilien untergebracht und nahmen an der Global Ambassadors Week vom 06. bis 13. Februar teil. Dieses Programm richtete sich an die internationalen Delegationen, um ihnen einen Einblick in das jüdische Alltagsleben in den USA zu ermöglichen und den globalen Austausch zu fördern. Dazu gehörte der Besuch einer jüdisch-orthodoxen Schule und es wurden verschiedene Ausflüge in Museen, Naturparks, Stadien und Gedenkstätten organisiert. Ein von der ZWST-Delegation mitorganisiertes Koch-Projekt, in dem es darum ging, koschere Rezepte der anderen Länder kennenzulernen, war ein absoluter Erfolg.

Am 13. Februar startete die IC mit über 4.000 Jugendlichen von 14 bis 17 Jahren im Hilton Anatole Hotel in Dallas. Für alle war etwas beim Programm dabei. Zum Beispiel organisierten David Dobrik, ein erfolgreicher Youtuber und Jesse Eisenberg, ein renommierter Schauspieler, einen Workshop zu den Faktoren ihres Erfolges und vermittelten den Jugendlichen, wie man seine Träume verwirklichen kann. Zum Programm gehörten weiterhin vielfältige Ausflüge, das reichte vom Besuch eines Indoor-Wasserparks, über die Besichtigung einer typischen US-Farm bis hin zum Rathaus von Dallas.

ZWST-Delegation leitet den internationalen Schabbat: Das Highlight der Reise wurde von den Teilnehmenden der ZWST-Delegation selbst organisiert. Im Rahmen des Kongresses leiteten die Chanichim der ZWST den internationalen Schabbat mit Gästen aus über 17 Ländern - eine atemberaubende Stimmung und ein unvergesslich prägender Moment für die International Convention 2020.

Die Abschlussparty am Sonntag, den 16. Februar mit hochkarätigen Gästen und Prominenten rundete den positiven Verlauf der Convention perfekt ab. Die ZWST-Gruppe konnte viele neue Freunde für sich gewinnen, einige Programmpunkte selbst organisieren, vieles für sich mitnehmen sowie die ZWST positiv nach außen vertreten.

Eine unvergessliche Reise, die keinem entgehen sollte. Teilnehmer Michael (16): „4000 Jugendliche, 54 Länder, über 300 Communities - verbunden durch das Judentum.“ Wir freuen uns schon auf nächstes Jahr, wenn es nach Philadelphia gehen soll.

Ilja Cinciper, ZWSTJugend International

Upcoming Events

Active Jewish TeensConvention in der Ukraine: November 2020

Global Schabbat: Dezember 2020

International Convention in Philadelphia: Februar 2021

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Workshop mit Dr. Ze´ev Strauss (Heidelberg) zum Thema: Lebendiger Religionsunterricht

Fachkongress für Religions- und Hebräischlehrkräfte in Heidelberg

Vom 16. bis 18. Februar haben die ZWST und der Zentralrat der Juden in Deutschland ihre Tagungsreihe für Religions- und Hebräischlehrkräfte an der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg fortgesetzt.

Mark Krasnov (31), langjähriger Madrich und Rosch bei der ZWST, ist heute Studienrat für jüdische Religion, Hebräisch, Spanisch, Latein und Informatik an der Diltheyschule in Wiesbaden. Er äußert sich zur Bedeutung dieser Seminartagung: „Seit meinem Referendariat nehme ich regelmäßig an dieser Tagung teil. Für unsere Zielgruppe stellt diese Fortbildung die einzige Möglichkeit dar, uns über unseren Arbeitsalltag sowie die damit verbundenen Herausforderungen auszutauschen. Hierfür schaffen die ZWST und der Zentralrat einmal im Jahr ein wichtiges Forum.

Besonders nützlich erweisen sich für mich Workshops, die sich gezielt mit dem Schüler als Individuum, mit der aktuellen Unterrichtspraxis oder mit konkreten didaktischen Umsetzungen beschäftigen. So können wir pädagogisch-fachliche Diskussionen führen, die auf echten Erfahrungswerten aus der Praxis beruhen. Gelegenheit hierzu erhielten wir im Workshop ´Standardsituationen - alles wie immer oder doch anders`. Hier wurden neue Ideen und kreatives Handwerkszeug vorgestellt, mit denen der Religionsunterricht modern und ansprechend gestaltet werden kann. In einem weiteren Workshop erhielten wir einen Überblick über einschlägige Texte und Materialien, um jüdischen Schülern fundiertes Grundlagenwissen über die Geschichte des Zionismus und der israelischen Gesellschaft zu vermitteln. Inspirierend war auch der Workshop ´Lebendiger Religionsunterricht - Geist des lebendigen Judentums`. Hier erarbeiteten wir Strategien, wie wir unseren Schülern, die in einer zunehmend säkularisierten Welt aufwachsen, anhand von philosophischen Texten das Spannungsverhältnis zwischen einem jüdisch-religiösen und einem jüdisch-säkularen Bewusstsein verständlich vermitteln können.

Fotos: Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg

Auch hatten wir die Möglichkeit, uns mit einer der größten Herausforderungen auseinanderzusetzen: Das nahezu gänzliche Fehlen geeigneter deutschsprachiger Lehrbücher für den Jüdischen Religionsunterricht. Daher sind jüdische Religionslehrer darauf angewiesen, ihre Materialien von der anfänglichen Textrecherche, über die Textreduzierung bis hin zur abschließenden Bildersuche komplett selbst zu erarbeiten. Umso erfreulicher ist in diesem Zusammenhang, dass ein Konzept für ein neues Oberstufenlehrbuch zur jüdischen Philosophie diskutiert wurde, welches in gemeinschaftlicher Kooperation entstehen sowie die Kommunikation und Zusammenarbeit untereinander bis zur nächsten Lehrertagung fördern könnte.

Für zukünftige Fortbildungen würde ich mir wünschen, dass wir gemeinsam Unterrichtsinhalte erarbeiten, kognitiv an die unterschiedlichen Jahrgangsstufen anpassen und dabei auf den reichen Literaturbestand der Bibliothek der Hochschule für Jüdische Studien zurückgreifen könnten. Da wir unterschiedliche Interessensschwerpunkte haben und Experten in unterschiedlichen Fachgebieten sind, würden durch diese Zusammenarbeit hervorragende Unterrichtsmaterialien entstehen, mit denen unsere Schülerinnen und Schüler in ganz Deutschland konform zu den Curricula unterrichtet werden könnten.“

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Grußwort von ZWST-Direktor Aron Schuster
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