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Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V.

Ausgabe 2  •  Juni 2020

Beratung in Krisenzeiten


OFEK unterstützt mit erweiterten Beratungsangeboten für jeden psychologischen Anlass

"Krisenzeiten stellen den gewohnten Alltag auf den Kopf. Was sind die besten Strategien, diese Veränderungen zu meistern?" "Gerade in systemrelevanten Berufen kommt es aufgrund der Corona-Krise zu Diskriminierung. Wo kann ich mich beraten lassen?" "Selbst beim Lesen der Berichte über die Corona-Pandemie finde ich antisemitische Kommentare. Die Verschwörungsmythen haben wieder einen Boden bekommen." "Ängste und Ungewissheit plagen mich immer wieder. Ich möchte darüber sprechen." (Zitate von Ratsuchenden)


Schon nach dem Anschlag in Halle und nun seit dem Ausbruch der Covid-19-Pandemie hat die Beratungsstelle OFEK e.V. ihr Angebot ausgeweitet und auf Krisenmodus umgestellt. Binnen weniger Tage nach dem Lockdown hat OFEK ein Beratungsprogramm aufgestellt und in Kooperation mit dem umfangreichen Krisenprogramm der ZWST stabilisierende, psychologische Beratung angeboten. Dazu kam eine digitale Aktion „Warum psychologische Beratung?“ und auch eine Sammlung an OFEK-Tipps für „Self-Care“ bzw. Prävention psychischer Belastung. Dieses Programm richtet sich vorrangig an die jüdische Gemeinschaft in Deutschland und ist bis heute verfügbar in vier Sprachen: Deutsch, Russisch, Englisch und Hebräisch. Die Beratung kann sowohl telefonisch als auch digital in Anspruch genommen werden. In der Regel unterstützt die Beratungsstelle OFEK Betroffene und Institutionen im Zuge antisemitischer Vorfälle jeder Art. Zu Krisenzeiten nehmen die Vorfälle zu, mit ihnen steigt auch die Belastung und Bedarf an rechtlichem, aber auch psychologischem Beistand.

Das Programm wird gut aufgenommen und von Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen wahrgenommen. Die Gründe für die Inanspruchnahme sind vielfältig, da die mit der Covid-19 verbundenen Einschränkungen sich auf unterschiedliche Art und Weise auf die jeweilige Lebenssituation auswirken: Eine alleinerziehende Mutter, die das Homeschooling mit der Arbeit zu verbinden versucht, steht vor anderen Herausforderungen als eine Person, die aufgrund von Depressionen oder fortschreitendem Alter mögliche Verschlimmerungen der aktuellen persönlichen Lage durch Isolation zu bewältigen sucht - wobei diese Ebenen sich auch überlagern können und Übergänge fließend sind. Darüber hinaus häufen sich antisemitische Vorfälle am Arbeitsplatz, im Gesundheitswesen, im Netz. Die Pandemie-Zeit bietet zudem viele neue Anknüpfungspunkte für antisemitische Verschwörungserzählungen und beschleunigt ihre Verbreitung. Die Fake-News rund um Corona bekommen eine große Reichweite und begünstigen Diskriminierung und gar Gewalt.

Die psychologischen Fachkräfte aus dem OFEK-Team versuchen gemeinsam mit den Ratsuchenden wirksame Tools zu erarbeiten, die zu der Bewältigung aktueller Herausforderungen in diesem Moment notwendig sind. Die Gespräche sind auf Wunsch anonym, vertraulich und finden unter Einhaltung der Schweigepflicht statt. An dieser Stelle darf nicht unerwähnt bleiben, dass die psychologische Unterstützung von OFEK keinesfalls eine Psychotherapie ersetzt. In komplexeren Fällen kann das OFEK-Team eine Empfehlung zu einer weiterführenden Therapie aussprechen.

Viktorija Kopmane

Koordination und Beratung, OFEK

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Interventionsstelle OFEK Hessen geht an den Start

Ab März 2020 bietet OFEK e.V. auch in Hessen lokale Unterstützungsangebote an. Der Standort OFEK Hessen mit Sitz in Frankfurt am Main ermöglicht stärkende psychosoziale und rechtliche Erstberatung nach antisemitischen Vorfällen. Aufgrund der Corona-Pandemie sind persönliche Beratungen in der OFEK-Beratungsstelle in Frankfurt derzeit noch nicht möglich. Die Beratung erfolgt telefonisch und im digitalen Format. Die Beratung ist anonym, vertraulich und kostenfrei.

Gefördert wird das Projekt „OFEK Hessen - Community basierte Interventionen“ durch das Landesprogramm „Hessen aktiv für Demokratie und gegen Extremismus“.

OFEK e.V. arbeitet im engen Austausch mit überregional agierenden Projekten und Organisationen.Hierzu gehören die ZWST, das Kompetenzzentrum für Prävention und Empowerment (ZWST), die Bildungsstätte Anne Frank, der Bundesverband RIAS, der Verband von Opferberatungsstellen (VBRG) und viele andere Partner. Dazu Aron Schuster, Direktor der ZWST: „OFEK als Beratungsstelle orientiert sich an den anerkannten Grundsätzen der Opferberatung, setzt aber ganz gezielt auf die stärkende und sensibilisierende Arbeit mit und für die jüdische Community. Wir freuen uns, in Hessen, in Kooperation mit anderen Beratungsstellen, ein neues Empowerment- und Beratungsangebot organisieren zu können.“

Ricarda Theiss  
Montag 12-15 Uhr

Mittwoch 09 -12 Uhr
T.: 069 / 944 371 50

Mobil: 0159 / 013 593 90
theiss@
ofek-beratung.de

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