das Sozialreferat informiert

Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V.

Ausgabe 4 · Dezember 2016

Basics und Spezifika für Sozialarbeiter in jüdischen Gemeinden

Teil II der klassischen Fortbildung im November 2016

Vom 21. bis 24. November trafen sich im Max-Willner-Heim 28 Sozialarbeiter und Sozialbetreuer aus jüdischen Gemeinden in ganz Deutschland, um ihr Wissen auf den neuesten Stand zu bringen, Anregung und Unterstützung für ihre Arbeit zu bekommen und nicht zuletzt: den für diese Berufsgruppe wichtigen Kontakt und Austausch zu pflegen. Diese Funktion der langjährigen Fortbildungsreihe der ZWST ist nicht zu unterschätzen, zumal die Sozialarbeit in den jüdischen Gemeinden spezifischen Anforderungen unterliegt und die heutigen Sozialarbeiter in der Mehrheit mit einer anderen beruflichen Qualifikation aus Ländern der ehemaligen SU zugewandert sind. Früher Ingenieure, Wissenschaftler oder Lehrer, haben sie einen beachtlichen Neueinstieg geschafft und sind heute mehrheitlich „alte Hasen“ in den Sozialabteilungen der Gemeinden. Sie bilden multifunktionale Anlaufstellen für Sorgen und Nöte der Gemeindemitglieder. Zusätzlich zu der alltäglichen Arbeit organisieren viele von ihnen ein Angebot für spezifische Zielgruppen – als hätte der Tag mehr als 24 Stunden.

Zu Beginn des von Anatoli Purnik und Ilya Rivin geleiteten Seminars stellte Aron Schuster, stellv. Direktor der ZWST, Aufgaben, Ziele und Perspektiven vor dem Hintergrund des 100jährigen ZWST-Jubiläums der ZWST in den Fokus und informierte über neue Initiativen der ZWST. Im Anschluss nutzte Jutta Josepovici, seit Juli 2016 Leiterin des Sozialreferates, die Gelegenheit, sich noch einmal offiziell vorzustellen und skizzierte das Grundanliegen der Bildungsfreizeiten für Senioren im Kurhotel Eden-Park.

Workshop für Leiter und Mitarbeiter von Treffpunkten für Holocaustüberlebende

Vor dem Hintergrund der genannten Multifunktionalität hatte die ZWST im November „eine Fortbildung in der Fortbildung“ organisiert: Zum Teil parallel, zum Teil integriert in das offizielle Seminarprogramm wurde vom 21. bis 22. November ein Workshop für 16 Leiter und Mitarbeiter von Treffpunkten für Holocaustüberlebende organisiert. Ein Teil von ihnen arbeitet seit langem als Sozialarbeiter in den Gemeinden und organisiert gleichzeitig ein spezifisches Angebot für Überlebende.

Gemeinsam mit Noemi Staszewski (Projektleiterin, Zentrum für Shoah-Überlebende in Frankfurt) und Svetlana Antonova (ZWST Sozialreferat) arbeitete man zu folgenden Themen:

• Austausch über die alltägliche praktische Arbeit und die Programme der Treffpunkte. Hier zeigte sich u.a., dass das sogenannte „Warme Haus“ als Bestandteil des Angebotes immer wichtiger und beliebter wird. Hier besuchen Treffpunktmitarbeiter nicht mehr mobile Überlebende zuhause, z.B. anlässlich jüdischer Feiertage, Geburtstage oder einfach nur für eine entspannte Kaffeerunde – ein wichtiger Schritt, um gegen die Isolation der immer älter werdenden Überlebenden vorzugehen

• Statistik, die Bedeutung von belegbaren Zahlen für die finanzielle Förderung, abrechnungstechnische Fragen

Am 2. Seminartag verdeutlichte Alina Fejgin (Sozialarbeiterin und Leiterin des Treffpunktes in der JG Hannover) in ihrem Impulsvortrag zum Thema „Burnout – Erschöpfte Helfer“ die Gefahren des Perfektionismus. Der Workshop endete mit einem Erfahrungsaustausch zur Vertiefung der Arbeit mit Holocaustüberlebenden am Beispiel des Gesprächskreises für Demenzkranke und ihre pflegenden Angehörigen im Treffpunkt Hannover.

Dieses zum 2. Mal in dieser Form organisierte Fortbildungsangebot für Treffpunktleiter und -mitarbeiter verdeutlichte die Bedeutung von laufender Weiterbildung und Vernetzung, zumal die Treffpunkte in den Gemeinden sehr unterschiedlich organisiert sind und nicht in jedem Treffpunkt spezifische Angebote wie z.B. in Hannover organisiert werden können.

Schwerpunkt Demenz

Der Schwerpunkt „Demenz“ des allgemeinen Seminars bot am 2. Seminartag für einen Teil der Treffpunktleiter einen guten Übergang, um wieder am parallel laufenden Seminar teilzunehmen. Dr. Valentina Tesky (Dipl. Psychologin, Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Goethe-Universität Frankfurt/M.), Referentin der ZWST-Schulungen für Demenzbegleiter, informierte über Diagnose, Behandlung und Möglichkeiten der Kommunikation. Dr. Tesky kam bei den Teilnehmern sehr gut an, da sie theoretische Impulse anschaulich mit der alltäglichen Praxis verknüpfte. In 7 Workshops hatten die Teilnehmer die Möglichkeit, anhand von Fallbeispielen besondere Schwierigkeiten, aber auch Ressourcen und zielgerichtete, auf den individuellen Fall des erkrankten Menschen bezogene Angebote zu erarbeiten.

Zu diesem Fokus des Seminars gehörte auch eine Information über die Bedeutung von sogenannten „niedrigschwelligen Einrichtungen“. Mitarbeiter des Inklusionsprojektes „Gesher“ informierten über die Möglichkeiten der Finanzierung von niedrigschwelligen Betreuungsangeboten für dementiell erkrankte Menschen und ihre Angehörigen im Kurhotel Eden-Park.

Weitere Themen waren Inhalte und Auswirkungen der Pflegereform 2017, die Boris Bujanov, Sozialarbeiter aus Leipzig, anschaulich und greifbar mit Fallbeispielen aus der täglichen Praxis der Sozialarbeit verknüpfte.

Elena Lidgober (psychol. Beraterin u. Coach)  und Maria Wisotschin (Dipl.-Psychologin) boten ein spielerisches Training zur Agressionsbewältigung und zum Konfliktmanagement an.

Zum Abschluss des Seminars gehörte ein Vortrag aus der Reihe „Bei uns funktioniert es so…“, hier stellte Elena Tanaeva, langjährige Sozialarbeiterin in Dresden, die jüdische Gemeinde zu Dresden vor.

Diese Vortragsreihe ist symbolisch für eine wichtige Funktion dieser klassischen Fortbildung, Förderung von Vernetzung und Austausch, zumal nicht alle „alte Hasen“ sind, sondern die ZWST auch einige neue Teilnehmer begrüßen konnte.

HvB, ZWST

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