Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V.

Ausgabe 3 · September 2018

„Treffpunkt“ wird zum Atelier - Kreatives Angebot für Überlebende der Shoah

Im Frankfurter Westend wird Überlebenden der Shoah Raum für ihre kreativen Potenziale geboten. Unter der Leitung von Aviva Kaminer werden ganz besondere Kunstwerke geschaffen.

Wie fing alles an? Im Jahr 2002 hatten der ehemalige Direktor der ZWST, Beni Bloch und der damalige Repräsentant der Claims Conference in Deutschland, Dr. Karl Brozik eine Vision. Sie wollten Überlebenden der Shoah und ihren Angehörigen einen strukturellen Rahmen geben, wo sie psychosoziale Versorgung und Unterstützung erhalten. Vor 16 Jahren startete das Pilotprojekt „Treffpunkt“ im Frankfurter Westend. Heute unterstützt die ZWST rund 30 Treffpunkte in ganz Deutschland. Diese Treffpunkte, in der Mehrheit in jüdischen Gemeinden, organisieren ein vielfältiges Angebot und bieten Überlebenden einen geschützten Raum für Kontakt und Austausch. Die Aktivitäten der ZWST für Überlebende werden von der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (EVZ) und der Jewish Claims Conference gefördert.

Der „Treffpunkt“ Frankfurt bietet unter anderem psychotherapeutische Sprechstunden, Yoga-Kurse, Kaffeenachmittage und Vorträge an. Seit August 2017 organisiert die Künstlerin und Pädagogik-Studentin Aviva Kaminer wöchentliche Malkurse im „Treffpunkt“. Ihr Vater, Dr. med. Isidor Kaminer, ist mit einem Beratungsangebot und Qigong-Kursen schon lange dabei. Für die 31-jährige Frankfurterin, als Enkelin von Holocaust-Überlebenden Angehörige der 3. Generation, ist es eine Herzensangelegenheit: „Es ist eine besondere Möglichkeit, sich mit einem Thema auseinanderzusetzen, dass für mich schon immer präsent war.“ Bei den meisten Besuchern des Malkurses handelt es sich um Menschen, die als Kinder die Shoah überlebt haben. Durch den Schrecken des Zweiten Weltkrieges wurden sie ihrer Kindheit beraubt. „Obwohl die meisten seit ihrer Kinderjahren nicht mehr gezeichnet haben, haben sie sich aller Ängste und Selbstzweifel zum Trotz an die Bilder gewagt und dabei Stück für Stück eine ganz eigene Bildsprache entwickelt“, so Kaminer. Der Fantasie sind im „Treffpunkt“ keine Grenzen gesetzt. Viele Bilder handeln vom Leben und dem Lebendigen, so sind Tiere, Früchte, die Natur oder musizierende Menschen beliebte Motive. Noemi Staszewski, Ania Hadda und Esti Petri sehen in den niedrigschwelligen Angeboten eine Möglichkeit, Vertrauen zu den Besuchern aufzubauen, deren Kindheitstraumata oft erst im Alter hervorbrechen. Den drei Mitarbeiterinnen der ZWST war der Malkurs schon länger ein wichtiges Anliegen, da sie früh das künstlerische Potenzial ihrer Besucher erkannt haben. Die angehende Pädagogin Aviva Kaminer sieht den Kurs auch als Möglichkeit für Menschen mit ähnlichem biografischem Hintergrund, hier zusammen zu kommen. „Sie können sich in sicherer Gesellschaft austauschen und neue Sachen ausprobieren.“ Die einjährige Erfolgsgeschichte dieses kreativen Angebotes ist definitiv noch nicht zu Ende. Auf Wunsch der Kurs-Teilnehmer wurden ihre Kunstwerke in einer offenen Ausstellung gezeigt.

Ruben Gerczikow, Student der Publizistik und Kommunikationswissenschaften, absolviert zur Zeit ein Praktikum bei der ZWST

 

Treffpunkt für Überlebende der Shoah

Friedrichstr. 10-12

60323 Frankfurt/M.

T.: 069 / 7076 87 40

info@treffpunkt-ffm.de

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