Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V.

Ausgabe 3 · Sept 2017

ZUKUNFTSFORUM - Endspurt im Rückenwind+-Projekt in Berlin

Von September 2016 bis Juni 2017 führte die ZWST 12 Fortbildungsseminare im Rahmen einer EU-geförderten, berufsbegleitenden Qualifizierung für 32 Sozialarbeiter, Führungskräfte und andere Fachkräfte aus jüdischen Gemeinden durch. Die zweite Halbzeit startete im März 2017 in Berlin.

Erholung inklusive: Die Seminare der zweiten Halbzeit im ZUKUNFTSFORUM ZWST absolvierten die Teilnehmenden in einer grünen Oase am Stadtrand, im historischen Johannesstift in Berlin.

Das Programm startete mit einem dreitägigen Veranstaltungsblock im März. Auftakt war eine Fortbildung zur Sozialgesetzgebung und deren Auswirkungen auf die soziale Arbeit in den Gemeinden und der ZWST. Viele den Kollegen wichtige Probleme, wie z.B. Nichtversicherung älterer und pflegebedürftiger Zuwanderer, Inklusion behinderter Menschen oder Grundsicherung im Alter, kamen mit den beiden sachkundigen Referenten der ZWST, Margrit Behrens-Globisch und Günter Jek, ausführlich zur Sprache. Umfangreiches Wissen wurde auch im sehr positiv aufgenommenen Workshop des Berliner PR-Beraters René Mannhold rund um Organisationsleitbilder und Führungsleitlinien, Führungskompetenzen und wertschätzende Kommunikation im Arbeitsumfeld vermittelt.

Arbeitsgruppen konstituiert

Mit Blick auf ihre eigenen Arbeitsstätten und viel Kreativität hatten die Teilnehmer im Rahmen der Qualifizierung drei gemeindeübergreifende AGs gebildet: „Überalterung und Mitgliederschwund in den Gemeinden entgegenwirken“, „Einführung von Familienshabbaton für junge Familien mit Kindern“ und „Professionalisierung und Bindung des Personals in den Gemeinden / Organisationsstrukturen“.

Unter Anleitung von EU-Fundraiserin Stanislava Schenck wurde dazu in der Schlussrunde vom 18. bis 20. Juni ein Finanzierungsantrag erstellt – fiktiv aber dennoch wirklichkeitsnah. Denn die in den AGs bereits skizzierten Projekte ließen sich mit wenigen Änderungen gut an die Erfordernisse des EU-Programms ERASMUS+ anpassen. Alle verstanden nach diesem lehrreichen Workshop, welches Potenzial auch für kleinere Gemeinden in den EU-Programmen steckt.

Abschluss: ZUKUNFTSFORUM endete wie es begann, mit einem Beitrag zur jüdischen Sozialethik. Das Thema diesmal: „Laschon Hara“, die üble Nachrede. Frederek Musall, Professor für jüdische Philosophie und Geistesgeschichte an der Hochschule für jüdische Studien in Heidelberg, schlug den Bogen weiter als ‚nur‘ bis zum bösen Gerede und Mobbing am Arbeitsplatz. Tiefgreifend problematisierte er die Bedrohung des gesamten sozialen Zusammenhalts durch das generelle „Reden übereinander statt miteinander“.

Vom Nachdenklichen zum Feierlichen: Zur Abschlussveranstaltung bei hochsommerlichen Temperaturen waren auch Aron Schuster, stellvertretender Direktor, und Jutta Josepovici, Sozialreferentin der ZWST, gekommen und zeigten sich beeindruckt von den Präsentationen der Arbeitsgruppenergebnisse. Mit den besten Wünschen für ihre berufliche Zukunft in den Gemeinden wurden der gute Teamgeist, das große Interesse und die produktive Arbeit der ZUKUNFTSFORUM-Absolventen honoriert: Alle erhielten ein Zertifikat, in dem auch ihre individuellen Leistungen festgehalten sind.

Lob und Zustimmung für die ZWST

„Viel neues Wissen, ganz viel mitgenommen, tolle Arbeitsatmosphäre“ und „Fortsetzung erwünscht“, diese Rückmeldungen standen im Fokus eines vielfältigen Feedbacks der Teilnehmer.

Für den spürbaren Wehmut in der Gruppe, dass sie nun nicht mehr zu gemeinsamen Seminaren zusammenkommen wird, gibt es ein Trostpflaster:  ZUKUNFTSFORUM ist noch nicht beendet! Viel zu tun bleibt jetzt für die Arbeitsgruppen, um ihre skizzierten Vorhaben in den Gemeinden vorzustellen und umzusetzen. Gespannt sein darf man auch auf den „Reader ZUKUNFTSFORUM ZWST“, den eine weitere Gruppe erstellt. Dieser soll in gedruckter und digitaler Form gegen Jahresende erscheinen und Projektergebnisse und -dokumente sowie Fotos  für alle Gemeinden zugänglich machen.

Sabine Reisin, ZWST Berlin, Leiterin der Qualifizierung

 

Teilnehmerin Chana Bennett, Eventmanagerin in der Synagogengemeinde Köln, hebt u.a. die Bedeutung von Fachaustausch und Vernetzung hervor:

„....Sehr gut fand ich, dass neben den säkular fachlichen Themen auch Aspekte der jüdischen Ethik thematisiert wurden. Diese Verbindung ist meines Erachtens deshalb so wertvoll, weil sie das Wissen vertieft und die Sinnhaftigkeit unserer Gemeindearbeit verdeutlicht und unterstreicht. Sie gibt die Wurzeln und für mich persönlich den Motor, der mich antreibt. (...)

Überaus nützlich waren der fachliche Austausch mit Kollegen aus anderen jüdischen Gemeinden und die dadurch entstandene Möglichkeit der Vernetzung. Meiner Meinung nach ist dies besonders wichtig, wenn wir die Herausforderungen als jüdische Gemeinden in Deutschland zukünftig meistern wollen. Die Gemeinden stehen vor sehr ähnlichen und komplexen Aufgaben, die besser gemeinsam und im Gedankenaustausch gelöst werden können. Dies stärkt die Gemeinden als solche, aber auch die jüdische Gemeinschaft in Deutschland. Des Weiteren ist eine Vernetzung aufgrund der Mobilität der jüngeren Gemeindemitglieder relevant. Das Seminar gab Raum und Zeit, gemeinsam im Team ziel- und lösungsorientierte Strategien zu entwickeln: Was tun gegen den Mitgliederschwund? Wie können wir die Gemeinden attraktiver gestalten u.v.a.m. (...)

Ich denke, dass diese Seminare zukunftsweisend sind und uns alle darin unterstützen, starke jüdische Gemeinden zu erhalten, die für die Gemeindemitglieder attraktiv und offen sind.“

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