Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V.

Ausgabe 3 · Sept 2017

Inklusive Machanot im Sinne des diesjährigen Mottos „Geben“

In Kooperation mit dem „Inklusionsprojekt Gesher“ ermöglicht das Jugendreferat Kindern und Jugendlichen (bis 18 Jahre) mit einer Behinderung, an den Machanot der ZWST teilzunehmen. Je nach Art und Schwere der Behinderung wird jedem Teilnehmer eine individuelle Betreuung zur Seite gestellt. Unter den Chanichim waren in diesem Sommer 11 Inklusionskinder, Kinder und Jugendliche mit Erkrankungen aus dem Autismus-Spektrum sowie körperlicher oder geistiger Behinderung. Sie wurden begleitet von 9 engagierten und geschulten Inklusionsmadrichim. Mit ihrer Hilfe und der Unterstützung aller Madrichim und Chanichim wurden die Inklusionskinder in die Gemeinschaft integriert und konnten an den vielfältigen Aktivitäten teilhaben. Als Zeichen des Zusammenhalts - unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder Handicaps - lernten die Chanichim die Machanehymne "Latet" in der Gebärdensprache.

Rückmeldung einer Mutter, die im Rahmen der  Gesher-Familienfreizeit der ZWST im April 2017 vom Angebot der inklusiven Ferienfreizeiten erfahren hatte: „Besonders motiviert hat mich die Erfahrung, dass man mir Verständnis entgegenbrachte und dass es ein Anliegen der ZWST ist, dieses Thema sensibel und professionell anzugehen. Meine 10jährige Tochter ist ´anders`, sie hat Probleme in einigen Bereichen (Kommunikation, soziales Verhalten, vermutlich eine Störung aus dem Autismusspektrum), in anderen ist sie jedoch besonders talentiert, sogar zum Teil besser als ich oder andere Kinder. Dieses ´Anderssein` macht ihr das Leben nicht einfach. Durch Erfahrungen in der Schule haben wir bemerkt, dass sie durch intensive Betreuung bestimmte Situationen besser einschätzen kann und schneller lernt.

Ihre Madricha auf dem Machane war ihr schon aus Freiburg aus dem Jugendzentrum vertraut und von der Familienfreizeit. Meine Tochter hat sie akzeptiert. Auch die Co-Rosha aus Freiburg war ihr bekannt. Diese Situation war für mich perfekt, um mein Kind dem Team anzuvertrauen. Sie erzählte mir begeistert von dem Programm, von Spielen, von der Torah, von Ausflügen, vom Singen, Tanzen und ihrer Lieblingsbeschäftigung, dem Reiten. Ich würde sie wieder auf die Machanot schicken und sie will es auch.

Als Mutter ist es mir wichtig, dass meine Tochter einen sinnvollen und erfüllten Lebensalltag hat. Sie soll keine Angst vor neuen Lernsituationen haben und sich entsprechend verhalten können. Für die Kindererziehung braucht man Unterstützung. Für Kinder, die ´anders` sind, umso mehr, weil viele Leute, Freunde und andere Familien sich zurückziehen. Ich bin sehr dankbar, wenn ich diese Erfahrungen und Anforderungen teilen kann. Wenn ich will, dass mein Kind jüdisch bleibt, brauche ich eine Art ´Jüdisches Stetl`.“

Susanna Kirjasi (18, Saarbrücken), war im Machane in Gatteo a Mare im Juli erstmalig als Inklusionsmadricha dabei. Sie ist seit mehreren Jahren im Jugendzentrum der Synagogengemeinde Saar aktiv.

Wie bist du zu deinem jetzigen Engagement als Inklusionsmadricha gekommen? „Seit den ZWST-Seminaren für Jugendbetreuer habe ich diese Motivation, da ich auch einen persönlichen Bezug dazu habe, meine Nichte ist ein ´besonderes` Kind. Es war eine wichtige Erfahrung für mich, ich würde diese Art der Betreuung gerne wiederholen.“

Was sind die besonderen Anforderungen dieser Betreuung? „Man muss sich sehr auf ´sein` Kind einstellen, auf die Körpersprache achten und vieles andere mehr. Der wesentliche Unterschied ist, dass man als Madrich keine Kwutzah (Kleingruppe auf Machane) mit 10-20 Kindern hat. Man ist für ein oder zwei Kinder da, die mindestens genauso viel Betreuung und Aufmerksamkeit brauchen wie eine komplette Kwutzah.“

Was sind die Highlights? „Highlights sind definitiv, wenn diese Kinder anfangen, sich wie ´normale` Kinder zu fühlen. Die 14jährige Nicole (Name geändert) war das erste Mal dabei, sie liebte es, zu singen und zu tanzen. Es war eine der schönsten Erfahrungen für mich, dass sie sich so gut integriert hat. Es war toll zu sehen, wie sie aufgeblüht ist, ihre Einschränkungen waren so gut wie weg.“

Was kannst du anderen Betreuern weitergeben? „Authentisch bleiben ist das A und O. Ich war Freundin, Ansprechpartner und Madricha zugleich, ohne dass Nicole oder ich uns komisch gefühlt haben. Inklusion bedeutet auch dass die anderen Kinder kaum wahrnehmen, das Ihr Inklusionsmadrichim seid - und Euer Kind ein Inklusionskind.“

Vielen Dank !

HvB, ZWST

Inklusionsprojekt für Kinder und Jugendliche

Kontakt:

Eva Okuna,

T.: 0174 / 68 25 833

okuna@zwst.org

Schicken Sie uns Ihre Anregungen und Kommentare, auch Ihre Fragen zum Artikel:

Formular wird gesendet...

Auf dem Server ist ein Fehler aufgetreten.

Formular empfangen.

Jugendreferat und Sozialreferat informieren

Herausgeber.:

ZWST, Hebelstr. 6
60318 Frankfurt/M.
Tel.: 069 / 944371-0
Fax: 069 / 49 48 17
www.zwst.org

Redaktion und Satz:

Heike von Bassewitz
069 / 944371- 21
oeffentlichkeitsarbeit@zwst.org

Gestaltung:

Andrej Kulakowski

www.a-kulakowski.de

design@a-kulakowski.de