Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V.

Ausgabe 3 · Sept 2017

Kolumne 100: Geschichte und Entwicklung der ZWST

Teil III: Neubeginn nach dem Krieg

Keimzellen jüdischen Lebens nach dem Krieg: 1945 schlossen sich in fast allen größeren Städten Deutschlands „Leute der ersten Stunde“ zusammen, um die unmittelbare Not der Überlebenden, der Untergetauchten, der Flüchtlinge aus dem Osten zu lindern. Die Zahl der deutschen Juden zu dieser Zeit wird auf 15.000 geschätzt. Insgesamt befanden sich etwa 200.000 Juden in Deutschland, 90 % davon sog. „Displaced Persons“ (DP´s), die im Krieg aus Osteuropa verschleppt waren und im Land der Täter gestrandet waren. Die DP´s gründeten Hilfskomitees, 1946 gab es die ersten Vereinigungen der Komitees mit jüdischen Gemeinden. Diese Aufbauarbeit wäre ohne humanitäre Hilfe ausländischer jüdischer Organisationen, wie dem „Joint“ kaum möglich gewesen.

Neugründung der ZWST, Chronik der 50er Jahre: 1946 und 1947 gab es in den Besatzungszonen erste Zusammenschlüsse örtlicher Gemeinden, die Vorläufer der späteren Landesverbände. 1950 wurde der „Zentralrat der Juden in Deutschland“ in Düsseldorf gegründet. Dies schuf die Voraussetzung für die Neugründung der ZWST, von der Mitgliederversammlung des Zentralrates im August 1951 beschlossen (Rechtsform als e. V. 1952). Mit Sitz in Hamburg war die ZWST mit ihrem ersten Leiter, Berthold Simonsohn, der Auschwitz und Theresienstadt überlebt hatte, zunächst ein „Ein-Mann-Betrieb“. 1953 wurde ein Sozialreferat eingerichtet, welches erste Kontakte zu den jüdischen Gemeinden knüpfte. Zu den Aufgaben der jüdischen Wohlfahrtspflege in den 50er Jahren gehörten Schulungen der Helfer vor Ort in den Gemeinden, Seminare und interdisziplinäre Fachtagungen. Dazu kamen finanzielle Unterstützungsleistungen der ZWST als Ergänzung zu den öffentlichen Leistungen (finanziert über den Joint und die Jewish Claims Conference) sowie Beihilfen an die Gemeinden für jüdische Flüchtlinge. Ausgelöst durch eine Hetzkampagne gegen jüdische Ärzte in der SU, kurz vor Stalins Tod, gab es eine Fluchtbewegung aus der SBZ. Die Eingliederung dieser Ostzonenflüchtlinge war eine Art „Generalprobe“ für die personell unterbesetzte und in Integrationsfragen noch unerfahrene ZWST für spätere Flüchtlingswellen. 1955 zog die Geschäftsstelle der ZWST nach Frankfurt. Zu der Zeit löste sich das letzte DP-Lager im bayrischen Föhrenwald auf. Die Integration der Insassen in München, Frankfurt, Düsseldorf und Köln nahm die Geschäftsstelle in Frankfurt voll in Anspruch. 1955 wurde das Jugendreferat bei der ZWST gegründet. Ab 1956 organisierte das Jugendreferat Ferienfreizeiten, an denen nach anfänglicher Zurückhaltung jährlich bis 800 Jugendliche teilnahmen. Sie sollten dazu beitragen, die Identitätsprobleme aufzuarbeiten. Hier waren gut geschulte Jugendleiter erforderlich: Das erste Jugendleiterseminar fand 1955 in Reichelsheim im Odenwald statt. - Zur Chronik der 50er Jahre gehört auch der Zusammenschluss der 6 Wohlfahrtsverbände in der „Arbeitsgemeinschaft der Spitzenverbände der Freien Wohlfahrtspflege in Deutschland“, ab 1962 BAGFW.

Aufgabenfelder in den 60er Jahren: Die Zuwanderung aus dem Osten sowie Rückwanderung aus Israel und aus Übersee bewirkte zunächst eine Senkung des Durchschnittsalters. Die ZWST unterstützte die Verklammerung von Jugendarbeit und Jugendhilfe in den Jugendzentren der jüdischen Gemeinden. Weitere Aufgabenfelder zur dieser Zeit waren Ausbildungsbeihilfen für Zuwanderer, psychologische Beratung in den großen Gemeinden aufgrund der Zunahme psychischer Probleme, Hilfen für Menschen mit Behinderung. In großen Gemeinden wie Düsseldorf, Köln und Hamburg  entstanden in den 60er Jahren Seniorenklubs, die Vorbilder waren für weitere Klubs, gefördert von der ZWST durch Seminare und Treffen der älteren Generation. Dazu kamen Israelreisen und Erholungsaufenthalte für Senioren. Die Einrichtungen der ZWST zu dieser Zeit waren das 1956 erworbene „Henriette-Szold-Heim“ in Wembach (südl. Schwarzwald), es diente vorwiegend als Kinder- und Jugenderholungsheim, bot aber auch Raum für Jugendleiterseminare und Erholungsaufenthalte für die ältere Generation. Das „Max-Willner-Heim“ in Bad Sobernheim, in den 50er Jahren von der SG Köln erworben, war zu der Zeit v.a. „Markenzeichen“ der jüdischen Jugendarbeit (Fortbildungen und Ferienfreizeiten). Max Willner war von 1958 bis 1979 Direktor der ZWST und hat ihr mit seinen ausgeprägten Verwaltungskenntnissen große Dienste erwiesen.

1961-1980, neue Flüchtlingswellen: Die Juden wurden wieder Sündenböcke für Krisen in Ungarn, Polen, der damaligen CSSR und später in der SU. In die BRD kamen seit 1956 bis zu Beginn der 80er Jahre rund 8000 jüdische Zuwanderer aus Osteuropa und dem Iran nach dem Sturz des Schahregimes. Schon zu dieser Zeit bildete die Integrationsarbeit einen neuen Schwerpunkt, die Eingliederung eines Drittels der Gesamtmitgliedschaft der jüdischen Gemeinden war eine Bewährungsprobe für die ZWST.

HvB, ZWST

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