Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V.

Ausgabe 3 · Sept 2017

Deutsch-Israelischer Freiwilligendienst  (DIFD)

Eine Eintrittskarte in das Alltagsleben der Gastgesellschaft

Wie viele DIFDvolunteers braucht es, um das Verhältnis zwischen Israel und Deutschland auf zivilgesellschaftlicher Ebene nachhaltig zu verändern? Welche Verantwortung trage ich als „ziviler Botschafter“? Muss ich ein bestimmtes Bild meiner Heimat vermitteln? Was multipliziere ich eigentlich? Der Deutsch-Israelische Freiwilligendienst hat sich seit seiner Gründung am 12. Mai 2015 große Ziele gesetzt – mit Wenigen viel zu verändern und Großes zu schaffen.

Was ist in den letzten beiden Jahren geschehen? Bis September 2017 werden seit der Gründung des Projektes über 50 DIFDvolunteers ihren Dienst in Deutschland und Israel angetreten haben. Dass der Dienst auch nach der Rückkehr nachhaltige Eindrücke im Leben der Freiwilligen hinterlässt, zeigt sich an vielen Beispielen: Eyal hat eine Online-Plattform für Deutsche, die Hebräisch lernen möchten, ins Leben gerufen. Levi engagiert sich in der Israel-AG seiner Universität.

Die pädagogische Arbeit soll diese Nachhaltigkeit auch weiterhin gezielt fördern: Die deutschen und israelischen Freiwilligen vor und nach ihrem Dienst zusammenbringen, Patenschaften und Erfahrungsaustausch ermöglichen, eine gemeinsame Identifikationsebene schaffen. Gleichzeitig gilt es, klassische Assoziationen aufzubrechen, das starre Bild, das leider häufig sowohl von Israel als auch von Deutschland existiert, zu einem Kaleidoskop zu bewegen und dynamische Perspektiven zuzulassen.

Das Motto des Deutsch-Israelischen Freiwilligendienstes soll genau an dieser Stelle ansetzen: „Du bist kein Tourist - Du bist ein Botschafter“. Touristen sind die DIFDvolunteers allein schon deshalb nicht, weil sie das Gastland im Laufe von mindestens sechs Monaten erleben. Doch ein Freiwilligendienst ist viel mehr als das: Er kann eine Eintrittskarte in das Alltagsleben der Gastgesellschaft sein, mit all ihren Vorzügen und Herausforderungen, gleichzeitig in einem geschützten Umfeld. Die Freiwilligen wollen mehr tun als das Land zu „konsumieren“- und an dieser Stelle kommt der zweite Teil des Mottos ins Spiel: Du bist ein Botschafter. Die Botschaft, die Freiwillige überbringen: Ich bin ein Individuum meiner Heimatgesellschaft, ich bringe eine vielschichtige persönliche Biografie und Sozialisierung in ein anderes Land. Ich will das Gastland eben auch in seiner Vielschichtigkeit erfahren.

Das vergangene DIFD-Seminar im Juni 2017 in Bad Sobernheim bildete das Abschlussseminar für die israelischen DIFDvolunteers, die im August ihren Dienst in Deutschland beendeten und das Vorbereitungsseminar für die deutschen DIFDvolunteers, die im September ihren Dienst in Israel angetreten haben. Dadurch soll eine gewisse gemeinsame Identifikationsebene über das Programm entstehen, auch wenn die Deutschen und Israelis sich im Laufe ihres Dienstes nur selten begegnen. Die Freiwilligen sollen mindestens acht von 25 verpflichtenden Seminartagen mit einer jeweils anderen Gruppe gemeinsam verbringen, um dann ihre gemeinsamen Kontakte zu nutzen und sich gegenseitig während ihres Dienstes zu begleiten. Im Seminar wurden die deutschen Freiwilligen zum einen auf ihren Freiwilligendienst in Israel vorbereitet, gleichzeitig wurden sie auch mit dem Konzept des DIFD vertraut gemacht und wie sie sich auf partizipativer Ebene selbst in die Fortentwicklung des Projektes einbringen können: Vor, während und nach ihrem Dienst, on- und offline, als Individuum, als Jahrgang, als Projekt.

Laura Cazés, Projektkoordinatorin, Fotos: Jonas Skorpil

 

Anna Veiler (19, Baden-Baden): „Unseren Dienst werden wir in verschiedenen Einrichtungen für Menschen mit Behinderung leisten, dabei hoffentlich zahlreiche Erfahrungen sammeln und zu einem Teil der israelischen Gesellschaft werden. Meiner Meinung nach ist es eine enorme Chance, aber auch eine große Verantwortung, ein DIFDvolunteer zu sein. Eine Chance ist es, da wir mit Sicherheit alle an dieser Erfahrung reifen und wachsen können und viele unbezahlbare Erinnerungen entstehen werden. Eine große Verantwortung, da wir in Israel nicht wie sonst einfache Touristen sein werden, sondern tatsächlich Botschafter, Vertreter von Deutschland und Europa, die in einem mehr oder weniger fremden Land einen wichtigen Job zu leisten haben. Die Besonderheit des Deutsch-Israelischen Freiwilligendienstes liegt darin, dass wir alle in unserer Zeit in Israel viel von uns selbst geben müssen. Sei es unsere Zeit oder einfach nur unsere physische Kraft. Ich bin mir sicher, dass wir im Endeffekt unmessbar viel zurückbekommen werden, in Form von Erfahrungen, Erlebnissen und neuen Freundschaften.“

Mascha Disman (19, Essen): „Das Vorbereitungsseminar beginnt und somit der DIFD. Eine unglaubliche und spannende Zeit, die nun ansteht und auf die man gut vorbereitet sein muss. Der Plan: 4 Vorbereitungstage, 14 Freiwillige und Laura Cazes, die es zu meistern hat, dass trotz strengem Zeitplan die Vorfreude nur noch größer wird. Ist es ihr gelungen? Diese Frage würde jeder mit einem klaren Ja beantworten.

Das Klären von Fragen zu Seminarbeginn, ein Workshop über die ZWST, die Thematisierung von Integration und Inklusion, ein Austausch mit einem der ersten Freiwilligen und vieles mehr - man hatte trotz viel Input immer eine Begleitnote von Spaß. Wir haben durch ein Tandemprogramm die Möglichkeit gehabt, uns mit den Israelis auszutauschen. Für einige von uns war es das erste Aufeinandertreffen und hat die Lust auf Israel und seine Menschen gesteigert. Aber auch für die Israelis, die sich schon einige Monate in Deutschland aufhalten, gab es einiges, was sie von uns mitnehmen konnten.

Am vorletzten Tag des Seminars wurde ein Workshop zum Motto des Freiwillgendienstes „You are not a tourist. You are an ambassador“ durchgeführt. Verbunden mit den wertvollen Aufgaben, die uns zugeteilt werden, ist es unsere Aufgabe, in Kooperation mit der ZWST, ein Bündnis zu kreieren, welches Vorurteile und Abneigungen abbaut und Chancen bietet, die zukünftig neue Türen und Wege öffnen. Dieser Freiwilligendienst wird das schaffen.“

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