Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V.

Ausgabe 3 · Sept 2017

Fotos: Rafi Herlich

„Sozialarbeit steht und fällt mit den Menschen“

Festakt in Frankfurt anlässlich 100 Jahre ZWST

Am 10. September 2017 hat die ZWST ihr 100jähriges Jubiläum im festlichen Rahmen in der jüdischen Gemeinde Frankfurt begangen. Zum Festakt konnten über 300 Gäste begrüßt werden, darunter hochrangige Persönlichkeiten aus Politik,  Gesellschaft, den Wohlfahrtsverbänden, jüdischen Gemeinden und Landesverbänden sowie langjährige Wegbegleiter und Unterstützer.

Ebi Lehrer, Präsident der ZWST, skizzierte in seinem Grußwort die historischen Meilensteine der ZWST, nicht ohne auf das „Loch“ in der Verbandsgeschichte, hervorgerufen durch die Naziherrschaft, hinzuweisen. Umso bemerkenswerter war der Neustart nach dem Krieg, den viele damals nicht für möglich gehalten hätten. In diesem Zusammenhang stellte er die Frage, was Zedaka, das Leitbild der ZWST seit ihrer Gründung, heute bedeutet und griff einige Schwerpunkte der ZWST-Tätigkeit heute auf.

Dem schloss sich die Familienministerin Dr. Katarina Barley an: Sie betonte ihre Dankbarkeit für die Rückkehr jüdischen Lebens nach dem Krieg und ihre Hochachtung, dass man trotz allem den Wiederaufbau in den 50er Jahren geschafft habe. Auf die Gegenwart bezogen betonte Dr. Barley unter Applaus: „Für Antisemitismus ist kein Platz in Deutschland, egal woher er kommt!“ In diesem Zusammenhang würdigte sie die Arbeit des vom Bundesprogramm „Demokratie leben“ geförderten „Kompetenzzentrums für Prävention und Empowerment“ und des Projektes „Perspektivwechsel Plus“. Sie bedankte sich für die Zusammenarbeit und zollte der ZWST ihren Respekt für die Fähigkeit, auch zukünftigen Herausforderungen zu begegnen.

Prälat Dr. Neher, Präsident der BAGFW, lobte die ZWST für ihre „…gelebte Solidarität mit Menschen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen“. Als einen wichtigen Beitrag zum christlich-jüdischen Dialog erwähnte er den Besuch von Papst Benedikt XVI. in der Synagogengemeinde Köln – zu diesem besonderen Ereignis im Jahr 2005 hatte die ZWST die Präsidenten aller Wohlfahrtsverbände eingeladen. Auch die von der ZWST regelmäßig organisierte Israelreise der BAGFW-Vorstände und Präsidenten blieb in seiner Rede nicht unerwähnt.

Dr. Josef Schuster, Präsident des Zentralrates würdigte Bertha Pappenheim als wichtige Gründungsfigur der ZWST und spannte den Bogen bis hin zu Beni Bloch, seit 43 Jahren bei der ZWST und Direktor seit 1987. „Mit deinem Engagement über Jahrzehnte, lieber Beni, bist du in die Fußstapfen von Bertha Pappenheim getreten und hast dich ebenso wie sie immer auf die Seite der Schwachen gestellt. Dafür danke ich dir ganz herzlich!“  Wie die Familienministerin hob auch Dr. Schuster das „Coaching gegen Judenhass“ als ein zentrales Engagement der ZWST hervor und wiederholte die öffentliche Forderung nach einem Antisemitismusbeauftragten. Dr. Schuster wünschte der ZWST abschließend Glück bei der zukünftigen Gewinnung von Mitarbeitern, die als „Anwälte der Menschlichkeit“ wirken.

Auch Peter Feldmann, Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt/M., beschrieb Bertha Pappenheim als große Frankfurterin, die heutige Begegnungsstätte in Neu Isenburg erinnert an ihr Wirken als Gründerin und Leiterin eines Mädchenheims von 1907-1936. Er begrüßte die anwesende Trude Simonsohn, Ehrenbürgerin der Stadt Frankfurt/M. und erinnerte an ihren Mann, Bertold Simonsohn, erster Direktor der ZWST nach ihrer Wiedergründung 1951. Der Frankfurter Oberbürgermeister skizzierte jüdische Persönlichkeiten, die Frankfurt geprägt haben, von Ludwig Börne bis Max Horkheimer und hob die starke jüdische Gemeinschaft der Stadt hervor.

Pinchas Goldschmidt (Oberrabbiner von Moskau, Vorsitzender der Europäischen Rabbinerkonferenz) ging in seiner Festansprache unter anderem auf das religiöse Fundament und Leitbild der ZWST ein: „Zedaka liegt im Herzen des Verständnisses des Judentums über die zwischenmenschlichen Pflichten. Eine Idee, die ihren Ursprung vor viertausend Jahren hat und bis heute eine Herausforderung bleibt.“ Er wünschte der ZWST „..die Erneuerung und Kontinuität in der viertausendjährigen Tradition des Gründers des jüdischen Volkes Abraham zu suchen, um auf den Spuren des Herren auf den Wegen der Gerechtigkeit und der Nächstenliebe zu wandeln.“

In einer Gesprächsrunde mit Aviva Goldschmidt, von 1984 bis 2001 Sozialreferentin der ZWST und bis heute Vorstandsmitglied, Jan Kandror, zugewandert aus Russland und Dolmetscher in vielen ZWST-Seminaren und Ilya Cinciper, Rosh und Unterstützer des Jugendreferates wurde die Integration aus unterschiedlichen Perspektiven thematisiert.

Ein Trailer aus dem ZWST-Jubiläumsfilm „Das Gewissen ruft“ gab einen ersten Einblick in den neuen Dokumentarfilm zu 100 Jahre ZWST – 100 Jahre im Dienst jüdischer Wohlfahrt.

Von Max Willner, von 1958 bis 1979 Direktor der ZWST und Namensgeber ihrer Freizeit- und Bildungsstätte in Bad Sobernheim, stammt folgender Satz: „Die Vergangenheit nicht vergessen, in der Gegenwart leben, für die Zukunft hoffen.“  Dieses richtungsweisende Zitat ist das Motto der beeindruckenden Wanderausstellung zu führenden Persönlichkeiten aus 100 Jahren, die im Rahmen des Festaktes erstmalig gezeigt wurde und reges Interesse hervorrief.

Musikalische Darbietungen mit Yoni Rose, Rogalit Ishay sowie Ella und Alexander Bulatov schufen eine festliche Atmosphäre. Die ZWST bedankt sich bei allen, die beim Zustandekommen dieser besonderen Veranstaltung geholfen haben – nicht zuletzt bei Shelly Kupferberg (RBB) für ihre professionelle Moderation des gesamten Festaktes.

HvB, ZWST

 

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