Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V.

Ausgabe 2 · Juni 2018

„Die Welt im Umbruch“ -
Globale Entwicklungen in der Ära Trump

36 junge Erwachsene fanden sich zum ersten Seminarwochenende vom 04. bis 06. Mai 2018 in Berlin ein. Den Teilnehmenden sollte im Hinblick auf globale Konfliktherde Raum zur Diskussion berechtigter Sorgen aber auch positiver Herausforderungen geboten werden. Vor allem Israel als Brennpunkt internationaler Politik stand im Zentrum der dreitägigen Veranstaltung.

Gestartet wurde mit Beiträgen zu den Konstellationen Europa/USA seit der Wahl Donald Trumps zum amerikanischen Präsidenten. Deidre Berger, Direktorin des American Jewish Committee (Büro Berlin), betrachtete vornehmlich Auswirkungen auf die jüdische Gemeinschaft in Deutschland und Amerika. Ingmar Zielke von der Konrad Adenauer Stiftung widmete sich der Frage, ob die Bündnispartner Europa und USA auseinander driften.

Israel: Sowohl Deidre Berger als auch Jan Rensmann vom Vorstand des Berliner Mideast Freedom Forums bezogen in ihren Vorträgen klare Positionen zum Sicherheitsbedürfnis Israels. Beide verwiesen auf die Gefährlichkeit der schiitischen Hisbollah. Es sei in diesem Zusammenhang ein Skandal, dass in Europa lediglich der militärische Flügel der Organisation verboten sei. Die jüdische Gemeinschaft müsse sich für ein Verbot der gesamten Hisbollah stark machen. Deidre Berger prognostizierte den wenige Tage nach dem Seminar erfolgten Ausstieg der USA aus dem Atomabkommen mit dem Iran und die zögerliche Haltung Europas dazu. Vehement betonte Rensmann, der Iran sei kein demokratischer Staat, mit dem deutsche Schlüsselunternehmen Handel treiben sollten. Vielmehr stelle er eine universelle Bedrohung dar. Kaum weniger bedrohlich sei die Achse Ankara – Teheran – Moskau. Auch Johannes Gerster, u.a. bekannt als ehemaliges MdB, befasste sich in seinem Beitrag mit den geringen Chancen einer friedlichen Lösung in Nahost. Laut seiner Einschätzung seien dafür die Hamas in Gaza verantwortlich, der Autoritätsverlust der USA in den arabischen Ländern und die generelle Destabilisierung der Region durch den „Arabischen Frühling“, der direkt in einen „Arabischen Winter“ übergegangen sei.

Im Stil erfrischend, in der Sache nicht weniger ernst: Adi Farjon, Pressesprecherin der israelischen Botschaft, spannte spontan einen guten Draht zu ihrem Auditorium. Sie ermunterte zunächst, Praktika in der Botschaft zu absolvieren und die Presseabteilung zu besuchen. Illustriert mit einer Fülle von Bild- und Videomaterial, sprach Adi Farjon von neueren Entwicklungen in den deutsch-israelischen Beziehungen unter veränderten internationalen Bedingungen, leider geprägt von viel Falschberichterstattung über Israel.

Global Players und Global Cyberwar:  Im Vortrag von Moritz Rudolf, Jurist und Chinaexperte, der die chinesische Wirtschafts- und Außenpolitik sehr lebendig und faktenreich darzustellen wusste, konnte kein Zweifel daran entstehen, dass China als gleichwertiger Global Player anerkannt sein will. Das Land sei zur Erreichung dieses Ziels nicht zimperlich, unter anderem bezüglich der Kooperation mit nicht-demokratischen Staaten.

Simon Jacob, Autor und reisender Journalist im Nahen Osten, Iran, Irak und der Türkei, sprach über eine spezielle Form von globalem Cyberwar.  Die gegenwärtigen Formen von Extremismus gäbe es nicht ohne schnelle Smartphones, Laptops und Tablets. Durch sie gelangten heroische Kriegsberichte, Hasspredigten und Rekrutenwerbung mit effektvoller Musik und Filmtechnik in die Köpfe von Kindern und Jugendlichen. Allerdings würden viele der so geworbenen Dschihadisten die Waffen niederlegen, wenn sie eine Zukunftsperspektive hätten. Simon Jacob entließ seine Zuhörer mit der Versicherung, dass es dafür Hoffnung gebe: Die Digitalisierung werde zwar zu kriegerischen Zwecken eingesetzt, biete jedoch auch eine Fülle von zukunftsweisenden Chancen. - Alle sind herzlich eingeladen zu den kommenden Fortbildungen im Oktober und November in Berlin.

Sabine Reisin, ZWST Berlin

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