Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V.

Ausgabe 2 · Juni 2018

Fotos (1 bis 4):

Keren Kesselmann

Ein vielfältiges Angebot: Der Mai im Kurhotel Eden-Park

Das Kurhotel „Eden-Park“ in Bad Kissingen bietet seit langem vor allem älterem Menschen die Gelegenheit, sich weiterzubilden, die eigene jüdische Identität zu stärken und in entspannter und familiärer Atmosphäre neue Freundschaften zu schließen. Die Altersgruppe der jüdischen Senioren in Deutschland hat viele Facetten, daher organisiert die ZWST spezielle Bildungs- und Integrationsaufenthalte für bestimmte Zielgruppen, um die Teilnehmer direkt ansprechen zu können. Dazu gehörten im Mai der seit längerem erfolgreiche Turnus für „alteingesessene Gemeindemitglieder“ und das im Jahr 2017 gestartete Angebot für die Generation 60+, ein Turnus für alteingesessene, „jüngere Senioren“.

Dazu kommen Betreuungsfreizeiten für Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz, die als niedrigschwelliges Angebot durch die Krankenkasse abgerechnet werden können (§ 45, SGB XI). Dieses Angebot wird von Mitgliedern jüdischer Gemeinden deutschlandweit genutzt und startete mit einer Freizeit für Menschen mit einer dementiellen Erkrankung und ihre Angehörigen vom 24. April bis 02. Mai mit rund 30 Teilnehmern. Die von Graziella Gubinsky und 12 Betreuern organisierte Freizeit bot den Betroffenen ein auf ihre Potenziale abgestimmtes Programm, wie z.B. kreative Aktivitäten, musikalische Programme und Ausflüge. Die Angehörigen hatten die Gelegenheit, sich in Gesprächen mit Fachkräften auszutauschen und sich von einem teilweise anstrengenden Alltag zu erholen.

Eine weitere Betreuungsfreizeit des Inklusionsprojektes Gesher für Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen wurde vom 06. bis 15. Mai organisiert. Eva Okuna, Mitarbeiterin des Inklusionsprojektes Gesher, wirft einen Blick auf die Highlights: „Zum Angebot an Tanz, Gesang und Sport, Ausflügen, Deutsch- und Hebräischkursen sowie Fachvorträgen, organisiert und begleitet von 15 professionellen Betreuern, kamen zahlreiche Highlights hinzu. So die Feier zum 9. Mai, dem Tag des Sieges. Diese Feier ist für die mehrheitlich aus der ehemaligen Sowjetunion stammenden Teilnehmer ein ganz besonders emotionales Ereignis und brachte den Flair der alten Heimat nach Bad Kissingen. Am 13. Mai reisten die Teilnehmer gedanklich nach Israel und feierten Jom Jeruschalajim und das 70jährige Jubiläum der Staatsgründung Israels mit traditionellen israelischen und jiddischen Liedern sowie einem typisch israelischen Buffet. Diese festlichen Events wurden durch den Sieg Israels am Eurovision Song Contest gekrönt. Ganz besonders freuten sich die Teilnehmer über den Besuch eines israelischen Tanz- und Theater-Ensembles äthiopischer Jugendlicher. Die Kinder- und Jugend-Aliyah, das größte jüdische Kinderhilfswerk, fördert in Israel u.a. die Integration von äthiopischen Neuzuwanderern. Das deutsche Komitee hat die Gründung des Ensembles mit Jugendlichen von 15-18 Jahren gefördert und die Gruppe im Jahr 2018 zum 6. Mal zu einer Tournee nach Deutschland eingeladen. - Zehn spannende und unvergessliche Tage vergingen für 50 Teilnehmer wie im Flug. Alle freuen sich darauf, wenn es nächstes Jahr wieder heißt: ´Auf nach Bad Kissingen!`“

Vom 15. bis 29. Mai trafen sich dann im Eden-Park alteingesessene, deutschsprachige Gemeindemitglieder. Zu dieser Gruppe gehören wenige deutsche Juden oder Juden, die vor 1989 (z.T. mit früheren Flüchtlingswellen) nach Deutschland gekommen sind. Diese von Tirza Hodes und Natalia Gutmann geleitete Bildungsfreizeit bot den Teilnehmern vielfältige Vorträge, Ausflüge, ein musikalisches Programm und das festliche Begehen der Schawuot-Feiertage. Der Besuch von 3 jungen Familien mit Kindern bereicherte die Feiertage.

Aron Schuster, designierter Direktor der ZWST und Daniel Neumann, Direktor des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden in Hessen, ließen es sich nicht nehmen, sich mit den Teilnehmern über jüdisches Leben in Deutschland auszutauschen. Auch „70 Jahre Israel“ war mit Fachvorträgen und Gesprächsrunden Bestandteil des Programms.

Eine Besonderheit war der Besuch einer Schülergruppe vom Bayernkolleg in Schweinfurt, die sich um den Rolf-Joseph-Preis der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) beworben hat. Dieser Preis wird an Schülergruppen verliehen, die sich mit der jüdischen Vergangenheit in Deutschland oder dem jüdischen Leben heute beschäftigen.

Dazu Peter Rottmann, Schulleiter  des Bayernkollegs: „Beeindruckende Gastfreundschaft, grandiose Begegnungen: Dieser Besuch wird lange nachhallen. Vier unserer Schüler beteiligen sich derzeit an ´Jugend schreibt`, einem Schreib- und Leseprojekt der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die besondere Rolle des Kurheims Eden-Park in Deutschland, im Sinne der Bewahrung jüdischer Kultur und Tradition, war daher für uns Anlass, im Kurbad in der Nachbarschaft vorbeizusehen. Dabei gelangen großartige Einblicke in die Bedeutung koscherer Küche und in die Würdigung jüdischer Feste und Geschichte. Chefkoch Peter Mehringer und der Maschgiach im Eden-Park, Chanoch Grünwald, hatten mit ihrem Team ein tolles Essen für uns gezaubert und erläuterten den Stellenwert der koscheren Küche für das Judentum. Darüber hinaus war die Gruppe dankbar für die Begegnung mit Tirza Hodes und Natalia Gutman. Tirza Hodes, die mit jugendlichem Charme, ihrem entwaffnenden Witz und, trotz ihrer 95 Jahre flott auf den Beinen, die Delegation in einen wunderbaren Volkstanz einband und aus ihrem Leben, dem furchtbaren Kulturbruch in der Nazi-Zeit und von ihren menschenfreundlichen Überzeugungen erzählte, setzte uns alle in Erstaunen. Ein bewegender Besuch bei herzlichen Menschen und vielleicht ein Auftakt, um Kontakt zu halten.“

HvB, ZWST

 

Das vielfältige Angebot im Mai 2018 wurde „gekrönt“ mit der am 29.05. gestarteten Bildungsfreizeit 60+ für junge Senioren. Diese von Alina Altmann, Eva Szepesi und Pavla Alter geleitete Freizeit richtet sich an die 2. Generation (Kinder von Holocaustüberlebenden), die schon vor 1989 in den Gemeinden aktiv war und sich bisher vom Angebot im Eden-Park zu wenig angesprochen fühlte. Pavla Alter hat sich während der Freizeit mit der Teilnehmerin Dalia Rado unterhalten:

Dalia, du bist in Haifa geboren und mit 8 Jahren kamst du nach Deutschland. Nachdem du über 23 Jahre das Elternheim der Synagogengemeinde Köln geleitet hast, bist du Rentnerin und das erste Mal dabei. Wie hast du von der Freizeit erfahren? „Letztes Jahr habe ich über die Kölner Gemeinde davon erfahren, konnte aber leider nicht teilnehmen. Ich habe es mir dann für dieses Jahr vorgenommen, zumal eine Freundin begeistert nach Hause kam.“

Du bist das erste Mal im Eden-Park. Wie ist dein Eindruck? „Mir gefällt das ausgewogene Programm, am meisten hat mich bisher die Lesung mit Barbara Bisicky-Ehrlich ´Sag, dass es Dir gut geht` beeindruckt. Auch der Schwerpunkt ´Jüdische Identität – 2nd Generation` spricht mich an, die jüdische Atmosphäre, der Austausch in der Gruppe. Ich fühle mich hier aufgehoben und möchte im nächsten Jahr gerne wiederkommen!“

Weitere Highlights des Programms waren ein Konzertabend mit Anna und Roman Kuperschmidt, eine Lesung „Israel ist an allem schuld“ mit Esther Schapira und Georg M. Hafner sowie der Filmabend „Drei Frauen, drei Generationen, anders sein, jüdisch sein“ von Abiturient Leroy Schwarz. Hier schloss sich ein Gespräch mit seiner Mutter, Anita Schwarz und seiner Großmutter, Eva Szepesi an. Weiterhin gab es Chi Gong-Gruppen, Workshops „2. Generation/Jüdische Identität“ mit den Psychoanalytikern Kurt Grünberg und Isi Kaminer sowie eine Schabbatfeier mit Rabbiner Joel Berger und Noemi Berger.

Pavla Alter, ZWST Frankfurt

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