Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V.

Ausgabe 2 · Juni 2018

Tagungsreihe „End of Life“ - Jewish Perspectives (3)

Seminartagung vom 24. - 27. Mai 2018 in Berlin - mit Beteiligung der ZWST

Zum dritten Mal hat sich die ZWST an der Tagungsreihe „End-of-Life: Jewish Perspectives“ beteiligt, die sich in Kooperation mit anderen Organisationen mit verschiedenen Facetten des letzten Lebensabschnittes von Menschen auseinandersetzt. In Zeiten, in denen die Menschen immer älter werden gewinnen diesbezügliche Fragen immer stärker an Gewicht und verlangen nach Antworten. Daher ist es für die ZWST als Wohlfahrtsverband von großem Wert, die unterschiedlichen Erfahrungen und Ansätze, sei es aus sozialer, medizinischer, fachlicher oder auch ethisch-religiöser Perspektive auszutauschen, gemeinsam nach Antworten zu suchen und Synergieeffekte zu nutzen. Die Begleitung Schwerkranker und Sterbender, der Umgang mit Tod, Trauer und Verlust bedarf einer ganz besonderen Unterstützung und Hilfe. Dazu kommt, dass das Thema Tod und Trauer in der heutigen schnelllebigen Zeit zu oft aus dem Blick gerät. Daher begrüßt die ZWST es umso mehr, dass diese Tagungsreihe sich intensiv mit dem Thema auseinandersetzt: Mit Blick auf die direkt Betroffenen sowie auf diejenigen, die damit umgehen müssen, sei es als Angehörige, sei es als professionelle und ehrenamtliche Begleiter.

Larissa Karwin (Sozialpädgogin, B.A.), Mitarbeiterin des Sozialreferates, hat zum 2. Mal als Referentin an der Tagung in Berlin mitgewirkt. Sie organisiert u.a. Fortbildungen für haupt- und ehrenamtliche Gemeindemitarbeiter für den Aufbau und die Organisation einer Chewra Kadischa und Bikkur Cholim: „Mit meinem Vortrag zum Thema Die Ausbildung und Vorbereitung auf das Ehrenamt in der Chewra Kadischa wollte ich verdeutlichen, wie die ZWST mit ihren Fortbildungen zur Stabilisierung von Strukturen in den jüdischen Gemeinden beiträgt. Hier konnte ich auch auf unsere 100jährige Geschichte eingehen, in der die Förderung dieser Gruppen seit Gründung der ZWST 1917 ein wichtiges Aufgabengebiet war und ist. Die Seminare vermitteln praktisches Wissen zum Aufbau und Organisation sowie jüdische Religion und Tradition als Basis dieser Gruppen. Die ZWST versteht dieses Angebot auch als Würdigung und Anerkennung dieses Engagements. Nicht zuletzt war es mir wichtig, zu vermitteln, dass sich unsere Seminare an alle jüdischen Gemeinden richten, was bedeutet, dass wir auch unterschiedliche religiöse Richtungen berücksichtigen und Referenten einladen, sei es orthodox  oder liberal, um nur zwei der vielfältigen Ausprägungen des Judentums zu nennen.“

Der Initiator dieser Tagungsreihe, Dr. med. Stephan M. Probst, leitender Oberarzt der Klinik für Hämatologie, Onkologie und Palliativmedizin am Klinikum Bielefeld, lobt in seinem Fazit die Zusammenarbeit mit der ZWST: „Wenn wir uns 2019 in München mit dem Thema ´Altern, Hinfälligkeit und Demenz` beschäftigen wollen, wird dieser Dialog fortgesetzt. Wichtig war mir die hohe Bandbreite jüdischer Meinungen und Strömungen, die bei dieser Konferenz vertreten waren. Die Intention der Tagungsreihe ist der Dialog zwischen Vertretern der unterschiedlichen Fachdisziplinen, zwischen Betroffenen und Experten, unterschiedlichen religiösen Strömungen, Juden und Nicht-Juden. Missverständnisse sollen beseitigt sowie Rabbiner und Ärzte auf den gleichen Wissensstand gebracht werden, um den betroffenen Menschen kluge und stimmige Entscheidungen zu ermöglichen. Medizin und Psychologie müssen im Dialog mit den Rabbinern sein, wenn bei Entscheidungen am Lebensende der Halacha gefolgt werden soll. Man muss dazu aber die Möglichkeiten und Grenzen der modernen Medizin kennen. Aufgrund der Überalterung und den Herausforderungen im Umgang mit Menschen, die an Demenz erkrankt sind, soll das der Focus der nächsten Tagung sein. Die jüdische Kultur hat dem zunehmend antisolidarischen Umgang mit alten Menschen viel entgegenzusetzen und sieht den Wert des Menschen nicht in seiner Produktivität.“

Neben der Eröffnung in der Humboldt-Universität zu Berlin war das Jüdische Krankenhaus zentraler Ort der Tagung. Dr. Stephan Probst zu diesem besonderen Tagungsort: „Das jüdische Krankenhaus Berlin haben wir auch als Tagungsort gewählt, weil es ein historisch bedeutsamer Ort und ein Zeugnis der deutsch-jüdischen Geschichte ist. Es war bewegend, im Rahmen der Tagung in der Synagoge des Krankenhauses Gottesdienste abzuhalten – in einer Institution, die auch unter den Nazis eine jüdische Einrichtung geblieben war, aber auch als Sammellager missbraucht wurde. Auch die Gestapo hatte dort eine Dienststelle. Vor 1933 war das Krankenhaus weit über Berlin hinaus bekannt und viele berühmte Ärzte waren dort tätig.“

HvB, ZWST

 

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