Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V.

Ausgabe 2 · Juli 2017

Inklusionsprojekt Gesher informiert

Mini-Machane für alle: Inklusive Familienfreizeit
in Bad Sobernheim

7 Familien und rund 20 Kinder fanden Ende April in Bad Sobernheim zu einem neuen Veranstaltungsformat zusammen. Das ZWST-Projekt „Gesher – Inklusion von Menschen mit einer Behinderung“ hatte Familien mit Kindern unter 18 Jahren mit einer Behinderung und ihre Geschwister zu einem, von der Aktion Mensch geförderten Mini-Machane ins Max-Willner-Heim eingeladen. Geleitet wurde dieses Wochenende von Dinah Kohan (Leiterin des Gesher-Projektes) und David  Weiß, (Leiter des Gesher-Jugendprojektes).

Vorher sei sie skeptisch gewesen, ob das Mini-Machane für die Familie das Richtige sei, sagt eine 41-jährige Mutter. Nun könne sie mit Gewissheit sagen, dass es „ein wirklich gutes Wochenende“ war. „Es hat der ganzen Familie gutgetan.“ Sie hoffe, dass die ZWST bald wieder ein solches Inklusionsseminar anbietet.

Nicht allein

Auch Familien ohne behinderte Familienmitglieder waren dabei herzlich willkommen – doch insbesondere das Programm für die Erwachsenen war thematisch auf die Bedürfnisse von Eltern mit einem behinderten Kind zugeschnitten. Während die Kinder mit den Madrichim bastelten, malten, sich bei Bewegungsspielen austobten und ein Theaterstück einstudierten, hatten die Eltern Gelegenheit, sich zu informieren und auszutauschen.  Besonders gefragt war die Möglichkeit zum Austausch in Gesprächsgruppen unter Anleitung von erfahrenen Psychotherapeuten. Denn allzu oft fühlen jüdische Familien mit behinderten Kindern sich allein. An diesem Wochenende wurde jedoch allen Teilnehmenden deutlich: Wir sind nicht allein. Das Familiengefüge ist durch ein behindertes Familienmitglied stärker belastet, im Umfeld der jüdischen Gemeinde scheint oft niemand in derselben Situation zu sein. Dabei täuscht dieser Eindruck. Zu wenig sichtbar sind Menschen mit Behinderung in vielen jüdischen Gemeinden – das erschwert den Betroffenen ihren Alltag unnötig und führt bisweilen zu dem Gefühl, als würden sich jüdisches Leben und Leben mit einer Behinderung ausschließen. Dass das überhaupt nicht der Fall ist, hat dieses Mini-Machane mit sieben Familien, darunter sechs mit behinderten Kindern und ihren Geschwistern eindrücklich bewiesen.

Der neunjährige Aaron (Name geändert) erlitt bei seiner Geburt Sauerstoffmangel und ist infolgedessen körperlich und geistig behindert. „Er kann sprechen, laufen und lachen, aber ist auch lernbehindert“, sagt seine Mutter. Sie hat noch eine Tochter, die auch mit dabei war. Die Woche sei mit fünf Therapien und Arztbesuchen ausgefüllt, so die Mutter. Hinzu kommt, dass sie kaum Freunde treffen und aufgrund des Verhaltens ihres Kindes auch nicht die Gottesdienste besuchen kann. „Mein Mann und ich fühlen uns immer mehr isoliert“, sagt sie. Sie müsse für den Alltag viel Kraft aufbringen und habe gleichzeitig kaum Zeit für sich. Doch in diesen Tagen konnte sie in Bad Sobernheim andere Erfahrungen machen: „Alle Eltern wussten, wovon ich spreche. Das hat mir gut getan.“ Außerdem habe sie offen reden können, und ihr Sohn wurde von allen so akzeptiert, wie er ist.

Auch für die Mutter von Miriam (Name geändert) waren die Elterngespräche am wichtigsten. „Der Austausch in einem geschützten Raum bedeutet mir viel“, sagt die 42-Jährige. Es sei für sie die Lernquelle schlechthin. Als sie auf das Seminar angesprochen und eingeladen wurde, beschäftigte sie sich gerade mit dem Gedanken, wie ihre lernbehinderte Tochter mit anderen Kindern „auf Augenhöhe“ zusammen sein könnte, ohne sich besonders anstrengen zu müssen. Das sei nun der Fall gewesen, denn während die Eltern Zeit für Gespräche hatten, wurden alle Kinder von Madrichim betreut.

Geschulte Betreuer

Mit 8 geschulten Madrichim, die sich mit viel Feingefühl auf die individuellen Besonderheiten aller Kinder mit und ohne Behinderung einließen, fanden die Kinder während dieses Wochenendes zu einem Gruppengefühl, das ihnen sichtlich gut tat. Die gemeinsame Schabbat-Feier fand ihren feierlichen Abschluss im Zünden der vor Schabbat selbst gezogenen Hawdala-Kerzen. Spätestens da wurde für alle Anwesenden spürbar, dass nicht nur die behinderten Kinder von mehr Inklusion profitieren. Auch für die jüdische Gemeinschaft ist es eine Bereicherung, Menschen mit Behinderung nicht am Rande stehen zu lassen, sondern mitten ins Zentrum ihrer Aktivitäten zu holen.

Wiebke Rasumny, ZWST, Christine Schmitt, Jüdische Allgemeine

Fragen zur Inklusion von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung:

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T.: 0174 / 6825833

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