Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V.

Ausgabe 2 · Juli 2017

jugendreferat informiert

Fotos: Alexander Zaslavski

Good Old Times - Revival-Wochenende für ehemalige Jugendleiter der ZWST

Anlässlich des 100jährigen Gründungsjubiläums der ZWST stehen im Jahr 2017 einige besondere Veranstaltungen auf dem Kalender. Die ZWST versteht die Jugendarbeit als eine ihrer zentralen Aufgaben. Aus diesem Grunde durfte im Jubiläumsjahr auch ein generationenübergreifendes Treffen aller ehemals aktiven Jugendleiter nicht fehlen. Unter dem Motto “Revival of the Good Old Times” organisierte das Jugendreferat mit Unterstützung eines speziell ins Leben gerufenen Komitees ein Wochenende für ehemalige Madrichim aller Generationen. Im Vorfeld war bereits eine Webseite eingerichtet worden, auf der innerhalb weniger Tage Hunderte alter Machane-Bilder hochgeladen wurden.

Die guten alten Zeiten - sie waren am Freitagabend plötzlich nicht mehr 20, 30, 40 Jahre her. In der Lobby des Hotels in Frankfurt am Main versammelten sich Geschäftsführer, Erzieher, Professoren, Anwälte, Psychologen, Ärzte, Unternehmensberater - es sah aus wie ein hochkarätiger Fachkräfteaustausch und wirkte gleichzeitig wie ein Familientreffen.

Spätestens als Direktor Beni Bloch seine Begrüßungsworte nicht mit “Sehr geehrte Damen und Herren” sondern mit “Jetzt setzt ihr euch da mal alle hin und seid da mal leise” eröffnete, saßen alle Teilnehmenden gedanklich wieder auf dem Boden im Max-Willner-Heim in Bad Sobernheim. Es wurde gekichert, geflüstert, an mancher Stelle floss bereits die erste Träne der Rührung.

O-Ton einer unbeschwerten Jugend: Nach der Eröffnung folgte das klassische Shira Bezibur mit der Legende am Akkordeon, Moishele Gerstein. “Bashana Haba’a” – Das ist der O-Ton einer unbeschwerten Jugend, die ohne die halbjährlich herbeigesehnte Machane-Routine so nie stattgefunden hätte. Auch jedes weitere Lied saß allen in Kopf und Herz, ganz so als wäre es erst gestern gewesen.

Überraschungslaudatio: Nach dem gemeinsamen Singen begrüßte ZWST-Präsident Ebi Lehrer die Gäste, würdigte mit warmen Worten Beni Blochs unermüdliches Engagement, zunächst als Jugendreferent, seit 1987 als Direktor, und bat dann Überraschungsredner Efi Stenzler auf die Bühne. Efi Stenzler, langjähriger Wegbegleiter von Beni Bloch, World Chairman vom Jüdischen Nationalfonds/KKL und ehemaliger Bürgermeister von Givatayim, hob in einer ergreifenden Rede Benis unzählige Verdienste rund um die jüdische Gemeinschaft in Deutschland hervor - in besonderer Weise die Nachwuchs- und Jugendarbeit. Im Anschluss überreichte er ihm eine von allen Teilnehmern unterschriebene Dankesurkunde. Als weitere Überraschung hatte Simone Hofmann einen kurzen Film mit zahlreichen Momenten und Bildern aus Benis Zeit bei der ZWST zusammengestellt. Der sichtlich bewegte ZWST-Direktor appellierte an die Teilnehmer, dieses Wochenende als besondere Möglichkeit der Vernetzung und des nicht nur vergangenen, sondern auch zukünftigen Miteinanders zu nutzen.

Das festliche Schabbatessen wurde begleitet von der A-Cappella-Gruppe “Mafteach Soul”, Sternekoch Avi Steinitz aus Israel servierte koscheres Essen, man kam ins Gespräch, begrüßte alte Freunde und tauschte die schönsten Machane-Momente aus. Zwischen ihnen saßen David Blumenthal und Dubi Shkolnik, die 1958 von Max Willner (1958-1979 ZWST-Direktor) mit der Ausbildung der Madrichim betraut wurden, seit Jahren auf unterschiedlichen Kontinenten leben und bei ihrer Unterhaltung immer noch die Dynamik von zwei 25jährigen haben, die gerade voller Tatendrang das Programm der Sommermachanot in Sobernheim und Wembach planen.

Am nächsten Tag wurde in verschiedenen Workshops über Judentum im 21. Jahrhundert, den Erfolg der Zuwanderung aus den ehemaligen SU-Staaten, die Öffnung der Gemeinden und Judentum in der Literatur diskutiert. Auf den Podien saßen Experten ihrer jeweiligen Bereiche - auch sie überwiegend ehemalige “Machane-Kinder”.

Spätestens beim klassischen Abendprogramm wurde klar: In den “Good Old Times” steckte  auch ein “Game Of Thrones”. Die unterschiedlichen Generationen zwischen 18 und 94, die an Gruppentischen verteilt in Spiele- und Stimmungsrunden um die meisten Punkte in Form von Bohnen kämpften, sich in Klopapier einwickeln ließen, gegenseitig Wasser über den Kopf schütteten und der “Schiebung” bezichtigten, gaben ein unterhaltsames Bild ab. Altersgrenzen verschwammen an diesem Wochenende nicht, sie hoben sich gänzlich auf.

Tanzen mit Tirza: Bei der Hawdala lagen sich alle wieder in den Armen, der Schabbat wurde verabschiedet und die neue Woche mit einem ordentlichen “Tanzen mit Tirza” eingeläutet. Tirza, die diesen Juni ihren 95. Geburtstag feiert, schafft es bis heute, jeden überzeugten „Nicht-Tänzer“ für israelische Volkstänze zu begeistern. Auch nach Ende der offiziellen Party dachte noch niemand an Schlafengehen. Bis in die frühen Morgenstunden scharte sich eine Gruppe ums Klavier in der Lobby und sang ein hebräisches Lied nach dem anderen.

„Machane“, das ist ein geschützter Raum, der kein Jahrzehnt favorisiert. Die Jugendarbeit der ZWST hat in den letzten 60 Jahren Generationen mit dem Bus abgeholt und in die berufliche und persönliche Selbstentfaltung begleitet. Dass dieser „Raum“ noch heute den gleichen Eindruck bei Kindern und Jugendlichen hinterlässt, gibt Anlass zu bester Zuversicht für das gegenwärtige und zukünftige jüdische Leben in Deutschland.

Wir danken dem Organisationskomitee, allem voran Eytan Krumholz für die engagierte Unterstützung und dem Jugendreferat unter Leitung von Nachumi Rosenblatt für die professionelle Durchführung des großen Revivals.

Laura Cazés, ZWST

 

Die ZWST freut sich über die Rückmeldung zweier „Ehemaliger“

Edi Vigodski, geb. 1962 in der UdSSR, 1972 nach Israel ausgewandert, seit 1976 lebt er in Berlin, war in den 70er und 80er Jahren u.a. als Madrich, Co-Rosh und Rosh bei der ZWST aktiv. Er hat im Rahmen des Revival-Wochenendes den Workshop „Jugendarbeit Quo Vadis? Jugendarbeit als Identitätsstifter“ mitgestaltet.

Igor Davidovski, geb. 1975 in Odessa, lebt seit 1991 in Deutschland, hat u.a. zwischen 1993 und 2003 als Rosh und Co-Rosh die Jugendarbeit der ZWST unterstützt. Er hat den Workshop „Zuwanderung aus den ehemaligen SU-Staaten – ein Fazit aus Sicht der Jugendarbeit“ mitgestaltet.

Igor: „Die Zeit bei der ZWST war für meine Frau und mich ein prägender Lebensabschnitt. Unsere Motivation war groß, ehemalige Co-Madrichim zu treffen und uns an alte Zeiten zu erinnern. Meine persönlichen Highlights waren: Shira Bezibur vor Kabbalat Shabbat - es war überwältigend und sehr rührend, der spontane Gesang nach der Party am Samstag, das Tanzen mit Tirza, der Shiur mit Eli Stern am Shabbat und das Abendprogramm mit Deni Kranz und Eytan Krumholz.“

Edi: „Mein Engagement in der jüdischen Jugendarbeit war und ist bis zum heutigen Tage prägend für meinen Werdegang im privaten und beruflichen Leben. Wissen, Erfahrungen und die Chance, sich in jungen Jahren im Umgang und bei der Führung von Menschen beweisen zu können, waren für meine Entwicklung maßgebend. Danke dafür allen Verantwortlichen! Auf dem Treffen konnten wir sehen, wie die jüngeren Madrichim und Roshim mit viel Herzblut die Party, den Spieleabend und die Gebete gerockt haben. Ihr Enthusiasmus und ihr Power waren beeindruckend und übertragen sich garantiert auf die Kinder, hoffentlich unsere ´neuen` Madrichim.“

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