Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V.

Ausgabe 1 · April 2018

Wie sich die Freiwilligen in Deutschland und Israel begegnen

Nina ist seit September 2017 über den Deutsch-Israelischen Freiwilligendienst (DIFD) in Deutschland. In ihrer Heimat Israel gehört sie zur arabisch-christlichen Minderheit der Bevölkerung. Hier in Deutschland kommt ihr ihre arabische Muttersprache auf ganz besondere Art und Weise zugute. Nina leistet ihren Freiwilligendienst in der Jugendbegegnungsstätte am Tower in Oberschleißheim bei München. Sie konnte während ihrer Schulzeit über einen Jugendaustausch die Begegnungsstätte kennenlernen. Jetzt ist sie bereits ein halbes Jahr hier und ist in Teilen für ein eigenes Projekt verantwortlich, das sie über ihr Jahr in Deutschland mit Schulklassen erstellt, die die Einrichtung besuchen. Die andere Hälfte ihres Dienstes unterstützt sie minderjährige unbegleitete Geflüchtete beim Mathe lernen. Immer wieder kommt es dabei natürlich zu der Frage nach ihrer Herkunft. Die Überraschung ist häufig groß, wenn sie sagt, dass sie christliche Araberin aus Israel ist: „Viele Menschen aus Syrien oder anderen Ländern wissen nicht, dass es nicht nur Juden in Israel gibt.“

Rodi, der 2015 einer der ersten DIFD-Freiwilligen in Israel war und jetzt wieder in München lebt, hat Nina zu einem informellen Zusammenkommen für junge Erwachsene in das Moishe House eingeladen. Dies ist eine weltweite Organisation, die Wohngemeinschaften für jüdische Studierende und junge Erwachsene dabei unterstützt, in einem informellen Raum Veranstaltungen zu organisieren, die von den jungen Erwachsenen selbst gestaltet werden. „Meinen Freiwilligendienst in Israel habe ich in Nahariyah gemacht. Nicht nur diese Stadt, sondern der ganze Norden Israels sind unglaublich vielfältig. Natürlich wissen in der jüdischen Community fast alle, dass 20% der Bevölkerung in Israel nicht jüdisch ist. Aber wie das Leben von Minderheiten im Alltag aussieht, ist vielen – ähnlich wie hier in Deutschland auch – nicht wirklich bewusst. Ich wollte, dass mehr Leute in Deutschland etwas von dem erfahren, was ich in meiner Zeit in Israel kennenlernen durfte.“

Nina und Rodi unterhalten sich über Heimat und ihre DIFD-Erfahrungen, viele wollen natürlich auch mehr von ihrer Arbeit mit Geflüchteten hören.  Was aus allen Fragen und Gesprächen vor allem schnell hervor geht, ist etwas, das alle sehr gut nachvollziehen können: Identität ist nie nur eine Sache, insbesondere wenn man in einem Land als Teil einer Minderheit aufwächst.

Auch Yaara aus Kfar Saba, die ihren Dienst im Nelly-Sachs-Elternheim ableistet, lernt im Laufe ihres Freiwilligendienstes in Deutschland viel über ihre eigene Identität. Sie selbst ist in einem religiösen Haushalt aufgewachsen und wird auf Initiative des Einrichtungsleiters Bert Römgens nun zunehmend als Referentin eingeladen, um von ihren Erfahrungen, ihrer jüdischen Erziehung oder von ihrem Leben in Israel zu berichten. Zu Purim war sie in einem katholischen Mädchengymnasium zu Gast, berichtete über den Feiertag und die feministische Perspektive auf die Protagonistinnen der Purim-Geschichte. Auch zur Woche der Brüderlichkeit in Neuss hatte Yaara die Möglichkeit, über ihr Leben und ihren Alltag zu berichten. Für Yaara sind sowohl die Erfahrungen innerhalb der jüdischen Gemeinde prägend, aber besonders auch die Möglichkeit, in mehrheitsgesellschaftlichen Umfeldern von sich als Jüdin und Israelin berichten zu dürfen, geben ihr das Gefühl, eine zivile Botschafterin zu sein, und nicht nur Touristin in Deutschland.

Laura Cazés, ZWST-Koordinatorin des DIFD

 

 

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