Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V.

Ausgabe 1 · April 2018

„Auf in die Shul“

Lehrerinnen und Lehrer machen sich fit für ihren Job

"Die Jugend ist unsere Zukunft." Diesen Standardsatz der Hoffnung, aber auch der unterschwelligen Ängste hört man oft in den jüdischen Gemeinden in Deutschland. Diese Zukunft hängt zu einem beträchtlichen Teil von den Lehrerinnen und Lehrern ab, die jüdischen Religionsunterricht und Hebräisch in den Gemeinden, aber auch in öffentlichen und in den wenigen jüdischen Schulen im Land erteilen. Umso wichtiger ist ein Fortbildungsangebot für Religions- und Hebräischlehrer, dass der Zentralrat in Kooperation mit der ZWST etabliert hat. Die Fortbildung fand zum ersten Mal in der Hochschule für jüdische Studien in Heidelberg statt, wo die meisten der 80 teilnehmenden Lehrkräfte ihre Ausbildung absolviert haben.

Aron Schuster, stellvertretender Direktor der ZWST, machte deutlich: "Die Hälfte unserer Gemeindemitglieder sind über 60 Jahre alt. Deswegen ist es umso wichtiger, dass wir versuchen müssen, viele der jungen Menschen, die wir noch haben, an unsere Gemeinden und unsere Religion heranzuführen." Shila Erlbaum vom Zentralrat betonte, warum gerade Heidelberg ein idealer Ort für Lehrerfortbildung ist: "Wir wollen Synergien schaffen." An der Hochschule für jüdische Studien können die pädagogischen Praktiker mit den Professoren in einen fruchtbaren Austausch treten.

Der Rektor der Hochschule, Professor Johannes Heil, signalisierte bei seiner Begrüßung, von welcher enormen Bedeutung es für seine Einrichtung sei, gemeinsam zu neuen Wegen zu kommen. Es sei essenziell, dass in den Gemeinden junge Leute ermuntert werden, ein Studium in jüdischer Religion aufzunehmen. Zurzeit könne man mit den Absolventen der über 100 Studierenden bei weitem noch nicht die Nachfrage decken. Er appelliert: „Wir müssen das Judentum speziell in den öffentlichen Schulen noch viel präsenter machen.“ In seinem Fachvortrag über die Bedeutung der jüdischen Geschichte im Kontext der Gesamtgeschichte, plädierte er dafür, jüdische Geschichte breit zu entfalten, sie dürfe im Unterricht aller Schulen nicht nur auf Hitler, Stalin und die Pogrome verkürzt werden.

Hochschulrabbiner Shaul Friberg betonte in seinem emotional packenden Eröffnungsvortrag "Auf in die Shul!" die Authentizität der Lehrenden. Man könne nicht die Herzen von Kindern gewinnen, wenn man nur eine Rolle spiele. Nur wer echt und authentisch sei, werde ernstgenommen.

Mehrere Workshops und Vorträge widmeten sich dem Umgang mit Antisemitismus, Shoah und Nahostkonflikt. Jüdische Schüler werden mit diesen Themen früh konfrontiert und brauchen stabile Antworten. Esther Rachow von der International School for Holocaust Studies, Yad Vashem in Jerusalem, ermunterte dazu, sich verstärkt des Materials zu bedienen, das ihre Institution für den Unterricht  im jüdischen Lernkontext zur Verfügung stelle. Es gelte, der unkontrollierten Konfrontation mit dem Holocaust in der Gesellschaft, vor allem in Deutschland, pädagogisch-didaktische Konzepte entgegenzusetzen. Das Ziel sei, eine distanzierte, kognitive Empathie herauszubilden.

Die Schule ist ein Abbild der Gesellschaft. So ist es nicht verwunderlich, dass Schüler wie auch Lehrkräfte Erfahrungen mit Antisemitismus gemacht haben. Marina Chernivsky und Romana Wiegemann vom ZWST-Kompetenzzentrum für Prävention und Empowerment in Berlin, stellten Interventions- und Beratungsstrategien vor, um der bedenklichen Entwicklung begegnen zu können.

Johannes Becke, Juniorprofessor für Nahoststudien an der Heidelberger Hochschule, thematisierte die Wissensvermittlung über Israel im Unterricht und teilte die Einschätzung der deutsch-israelischen Schulbuchkommission: Es gibt ein deutliches Defizit in den Lehrbüchern. Es sei wichtig, den Religionsunterricht, aber auch die Lehrinhalte in Fächern wie Geschichte und Sozialkunde nicht nur auf Verfolgungsgeschichte, Shoah und den Nahost-Konflikt zu fokussieren.

Die Fortbildungsreihe ist ein vielversprechendes Angebot für Lehrende, um jüdische Identitäten von Kindern und Jugendlichen herauszubilden und zu stärken und sie so für die aktive Teilnahme am Gemeindeleben zu gewinnen.

Harald Raab, Mannheim, Fotos: Harald Raab, Philipp Rothe, Heidelberg

 

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