Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland e.V.

Ausgabe 1 · April 2017

zwst informiert: Jugendkongress

Fotos: Gregor Zielke

Jugendkongress 2017:
ZWST-Jubiläum, aktuelle Politik und Party

Anfang März 2017 trafen sich in Frankfurt über 300 junge Erwachsene zum Jugendkongress der ZWST und des Zentralrates der Juden. Dieser mehrtägige Event ist seit vielen Jahren die größte Tagung für jüdische junge Erwachsene in Deutschland und gibt der jungen jüdischen Generation ein Forum, sich über aktuelle gesellschaftliche Themen auseinanderzusetzen und Zukunftsperspektiven zu entwickeln. In diesem Jahr wurde der Kongress vor einem besonderen Hintergrund organisiert: dem 100jährigen Jubiläum der ZWST. Ein Gespräch mit langjährigen Wegbegleitern und eine Podiumsdiskussion mit 4 Generationen, heutigen und ehemaligen Jugendleitern der ZWST waren unter anderem die Highlights.

Hochkarätige Referenten und ein besonderer Auftakt: ZWST-Präsident Ebi Lehrer, der Präsident des Zentralrates der Juden, Dr. Josef Schuster, Yakov Hadas-Handelsman, Botschafter des Staates Israel in Deutschland und Uwe Becker, Bürgermeister und Stadtkämmerer der Stadt Frankfurt begrüßten die Teilnehmer. Staatssekretär Hans-Georg Engelke aus dem Bundesministerium des Inneren sprach in seiner Keynote über die aktuellen und zukünftigen Herausforderungen für die deutsche Gesellschaft in Bezug auf die Stärkung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und die Bekämpfung radikaler Strömungen. Er betonte unter anderem, dass der Sicherheit jüdischer Einrichtungen in Deutschland oberste Priorität zugemessen werde. Der Staatssekretär stellte sich den kritischen Fragen der Teilnehmer, die vor allem das gescheiterte NPD-Verbot, die mögliche Änderung der Parteienfinanzierung und den Umgang mit der AFD betrafen.

Ein großartiger Start, der mit einer unglaublich schönen Performance von dem Gesangsduo Yonina aus Israel endete. Der Funke sprang über und das festliche Abendbüfett, ging über in Gesang und Tanz. Der israelische Chefkoch Avi Steinitz und sein Team sorgten nicht nur an diesem ersten Abend für ein fantastisches Essen.

Hochkarätige Referenten wie Moshe Ya‘alon, ehemaliger Verteidigungsminister Israels (2013-2016), extra für seinen Vortrag aus Israel gekommen, Ron Prosor, früherer Botschafter Israels in der UN sowie Elmar Brok, MdEP informierten am 2. Kongresstag zu politischen Themen. Im Zentrum standen der Nahost-Konflikt, die Zukunftsperspektiven Israels, seine herausragende Rolle unter anderem im Bereich von Bildung und Forschung sowie die rückhaltlose Anerkennung des Existenzrechtes Israels als Grundvoraussetzung für Frieden in der Region.

„ZWST 100 live“: Vor Hintergrund des 100jährigen Jubiläums war das Gespräch mit langjährigen Wegbegleitern der ZWST ein Highlight. Auf dem Podium saß gelebte ZWST-Geschichte: Der stellv. ZWST-Direktor Aron Schuster sprach mit David Blumenthal (1. Jugendleiter der ZWST in den 60er Jahren), Tirza Hodes (Tanz-Legende bei der ZWST seit 1979) und Trude Simonsohn (Frankfurter Ehrenbürgerin und Ehefrau des 1. Direktors der ZWST nach ihrer Neugründung 1951, Bertold Simonsohn) über ihre Erfahrungen mit der ZWST. Sie skizzierten ihre Biographie als Überlebende, betonten, wie wichtig und gleichzeitig schwierig der Aufbau einer jüdischen Gemeinschaft nach dem Krieg in Deutschland war und zeigten sich beeindruckt von der jungen jüdischen Generation heute. Die Krönung dieser ganz besonderen Gesprächsrunde: Wenn Tirza tanzt – tanzen alle mit. Am Ende holte die große alte Dame des israelischen Volkstanzes alle Teilnehmer von ihren Stühlen.

„Früher war alles besser!?“ Auf der Podiumsdiskussion am Sonntag, souverän moderiert von Dr. Daniel Neubauer, diskutierten vier Generationen darüber, wie die Jugendarbeit der ZWST ihren Lebensweg geprägt hat. Hier wurde deutlich, dass sich junge Juden heute stärker mit der deutschen Gesellschaft identifizieren als noch vor einigen Jahrzehnten. David Blumenthal zeigte sich beeindruckt von der Atmosphäre auf dem Kongress: „Ich war begeistert von der Selbstverständlichkeit, mit der die Teilnehmer bei der Eröffnung hebräische Lieder sangen. Der Stolz, den sie dabei ausgestrahlt haben, hat mich überwältigt.“ Darüber hinaus waren sich alle einig, dass den Machanot der ZWST eine zentrale Rolle bei der Bildung und Stärkung einer jüdischen Identität zukommt.

Auch die Möglichkeiten des World Wide Web fördern heute die Vernetzung und den Zusammenhalt der jungen Generation. Henry Jakubowicz (ehemaliger Jugendleiter, lebt seit 20 Jahren in Tel Aviv) forderte die junge Generation auf, zu einem Paradigmenwechsel zu kommen: vom „Ojwej zum O-Yeah Judentum“ - und optimistisch in die Zukunft zu blicken. Das Fazit: Trotz aller berechtigten Sorgen aufgrund zunehmenden Antisemitismus und Rechtspopulismus sollte man sich aktiv für die Gestaltung jüdischer Zukunftsperspektiven in Deutschland einsetzen.

Gut besuchte Workshops: Verschiedene Workshops luden am Samstag zur aktiven Auseinandersetzung mit vielfältigen Aspekten der Gegenwart ein, z.B. mit Lena Gorelik und Prof. Julia Bernstein zum Thema „25 Jahre Zuwanderung“ oder Or Heller, Militärkorrespondent Kanal 10 zum Thema „Die Situation in den palästinensischen Gebieten 2014-2017“. Weitere Workshops wurden mit Bassam Tibi (Politikwissenschaftler), Udi Deckel (Direktor des Institute for National Security Studies, Israel), Jonathan Davis (Vize-Präsident des Interdisciplinary Center in Herzliyah) und Amos Lehman (Psychologe) durchgeführt. Die ZWST zeigt sich beeindruckt von dem starken Interesse, alle Workshops waren hoch frequentiert.

Ein weiteres Highlight war am Sonntag die Vollversammlung der Jüdischen Studierendenunion Deutschlands (JSUD) mit Vorstandswahlen: Die ZWST wünscht Dalia Grinfeld (22) als frisch gekürter Präsidentin und dem gewählten Vorstand, bestehend aus Benny Fischer (26), Mike Delberg (27), Aaron Serota (24) und Arthur Poliakow (22) viel Erfolg für ihre wichtige Arbeit.

HvB, ZWST

 

Feedback von Liya, Teilnehmern und aktive Madricha: „Am interessantesten war für mich das Generationen-Gespräch am Sonntag. Es wurde dort über Themen diskutiert, die mich direkt betreffen. Auch war ich begeistert von Ron Prosor, der mir und vielen anderen mit seiner charismatischen Art, seinem beeindruckendem Lebenslauf und seiner aufschlussreichen Rede imponiert hat. Neben den interessanten und informativen Workshops ist auch der Schabbat ein Highlight. Das Zusammensein mit Freunden, während man jüdische Traditionen lebt und über politische Themen diskutiert: Das ist für mich der JuKo.“

Liya ist als 3jährige im Jahr 2001 aus Taschkent (Usbekistan) mit ihren Eltern nach Hamburg ausgewandert. Seit 2010 ist sie mit der ZWST auf Machane unterwegs – seit 2016 auch als Madricha. Sie ist Gemeindemitglied in Hamburg, lebt zurzeit aufgrund ihres Studiums in Wolfsburg und ist im Jugendzentrum Chai in Hannover aktiv.

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